Ihr macht uns die Kirche kaputt …

… doch wir lassen das nicht zu!

Dieses Buch wird Sie elektrisieren!

Obwohl unsere-kirche-2030 eigentlich keine „großen“ kirchlichen Themen in den Mittelpunkt stellen will, sondern sich auf sein eigentlich „kleines“ Thema beschränken will, muss für dieses Buch einfach eine Ausnahme gemacht werden. Nach Meinung des Rezensenten ist es nicht nur ein großartiges Buch, sondern ein wahrhaft „großes“, welches durchaus neben Hans Küng „Unfehlbar? Eine Anfrage“ stehen kann. – Was ist nur mit unserer Kirche los? Seit 50 Jahren sind wir permanent in der Krise.

In dem schmalen Bändchen weist der Autor auf überzeugende Weise nach, dass die Krise der (katholischen) Kirche nicht vom Himmel gefallen, sondern durch und durch hausgemacht ist. Wer langweilige theologische Argumente mit vielen Zitaten erwartet, wird begeistert sein, wie klar und lebendig man dieses Problemfeld behandeln kann. „Ihr macht uns die Kirche kaputt …“ weiterlesen

Evaluation der PEP-Voten – Kritik

Was nehmen wir mit?

In der Evaluation findet sich wenig Originelles, denn in den Voten steht nur Bekanntes. Weder das sehr häufig genannte Thema Ökumene,  noch das anscheinend von den Pfarreien auch sehr hoch bewertete Thema Innovation fördert besonders konkrete Ansätze zutage oder beschreibt wirklich neue Ideen. Ein neues Ziel, das allen auf den Nägeln brennt und wo alle jetzt motiviert anpacken wollen, ist also nicht erkennbar. Es wird also wohl keine Welle von neuem Engagement durch unser Bistum gehen. Oder trotz allem vielleicht doch?

Dies ist eine Feststellung, die denkbar weit entfernt von einer Glückwunschkarte ist. Wir wollen uns im folgenden mit den Erwartungen an und den Aussagen der Studie beschäftigen. Wenn Sie selbst  irgendwo einhaken möchten, so haben Sie in den Kommentaren viel Raum dazu.

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Keine Volkskirche mehr

Die Zeit der Volkskirche ist vorbei, sagen uns berühmte Theologen. Und seit langem sagen uns unsere Bischöfe – und unsere Pfarrer sprechen es ihnen nach – „Wir sind keine Volkskirche mehr“. In meinen Ohren klingt es fast wie der Vorwurf: „Ihr seid ja keine Volkskirche mehr“. Mit dem unausgesprochenen Nachsatz: also beschwert euch nicht, wenn wir angesichts fehlender Priester und steigender Kirchenaustritte schmerzhafte Maßnahmen vorsehen müssen. „Keine Volkskirche mehr“ weiterlesen

Diözesane Kirchensteuer

Bis zum Jahr 1950 gingen alle Einnahmen aus der Kirchensteuer in Deutschland an die Ortsgemeinden (Pfarreien). Diese besoldeten daraus ihre Seelsorger (Pfarrer, Vikare und Kapläne), weiteres Kirchenpersonal wie Küster, Organist und Bürokräfte. Außerdem wurden alle laufenden Ausgaben für die Gottesdienste und die Gebäude wie Kirche, Pfarrhaus mit der Dienstwohnung des Pfarrers und dem Pfarrbüro, andere Dienstwohnungen und (damals noch nicht häufig) Versammlungsräume für die Jugend und Gemeinde bezahlt. Als Eigentümerin der Gebäude trug die Pfarrei auch alle Instandhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen an ihren Gebäuden.

Wenn die Pfarrei Trägerin einer Einrichtung war wie Kindergarten, Schule, Altersheim, Krankenhaus oder Friedhof, dann musste sie auch dafür Gelder aufbringen und dafür sorgen, dass diese auch Einnahmen erzielten, denn für alles reichte die Kirchensteuer nicht aus.

Zuletzt oblag es der Pfarrei auch, einen gewissen Betrag an das Bistum abzuführen zur Finanzierung diözesaner Aufgaben. Dazu gehörte damals wie heute nicht die Finanzierung des sog. Bischöflichen Stuhls, also des Lebensunterhalts von Bischof, Weihbischöfen und enger Mitarbeiter, und auch nicht des Domkapitels, sondern im Wesentlichen nur des sog. Bischöflichen Ordinariats, also seiner Behörde, dem der Generalvikar vorstand, und auch deshalb oft Generalvikariat genannt wird.

Leider kennen wir keine Quellen aus der damaligen Zeit, welche nähere Beschreibungen enthalten.

 

St. Gertrud von Brabant Bochum-Wattenscheid

Die Pfarrei gehört wie alle vier Bochumer Großpfarreien (ausgenommen die kleinste Pfarrei des Bistums Matris Dolorosae in BO-Stiepel) zu den Top 10 im Bistum, also zu den Schwergewichten. Sie liegt nach Mitgliederzahl (2016: 25.882) auf dem achten Platz und hat mit 33,8% einen überdurchschnittlichen Katholikenanteil (Platz 15).

Das Votum nennt acht aktive Standorte in sechs Gemeinden mit zwei Filial- und zwei weiteren Kirchen, außerdem eine Kapelle. Es gibt jedoch noch eine weitere kleine Kapelle und eine teilprofanierte, jetzt als Kolumbarium genutzte ehemalige Kirche.

Die Pfarrei hat insgesamt vier sehr aktive Standorte, denn die Statistik des Bistums sagt, dass die drei Gemeindekirchen St. Gertrud, St. Maria Magdalena und St. Joseph zu den 100 am stärksten genutzten Kirchen gehören, und dicht dahinter die Filialkirche St. Theresia. Die weitere Kirche (St. Barbara) wurde übrigens wegen geringer Nutzung vor kurzem als Gottesdienst­standort ganz aufgegeben.

Das Votum fällt mit 20 Seiten sehr kurz aus und liegt weit unter dem Durchschnitt (35 Seiten) im Bistum. Es wurde auch relativ spät erst im August 2018 vorgelegt.

Das Votum bezieht sich stark auf einen relativ jungen Pastoralplan aus dem Jahre 2012. Die Pfarrei fühlt sich als eine sehr starke Gemeinschaft aus sechs Gemeinden. Sie sieht sich so, dass Gott ihr „nicht den Geist der Verzagtheit gegeben (hat), sondern der Liebe und Besonnenheit“.

Die wirtschaftliche Ausgangs­situation auf Seite 2 nennt einen ausgeglichenen Haushalt im Jahre 2015 mit einem Volumen von rund 1,1 Mio Euro. Im Jahre 2015 wurde die Buchführung von der Kameralistik auf kaufmännisches Rechnungswesen (Doppik) umgestellt. Das Votum konstatiert, dass somit „zukünftig auch die Abschreibungen und auch Rückstellungen für die  Bauunterhaltung zu erwirtschaften (sind)“.

Dieses ist zu beanstandenwar ist es richtig, dass Abschreibungen von Unternehmen der Privatwirtschaft erwirtschaftet werden, jedoch galt für die Bauunterhaltung in der kirchlichen Finanzwirtschaft bisher eine ganz andere Regel.

Seit 1950 war es nämlich Aufgabe des Bistums, die Baulasten zu tragen, und die Pfarreien wurden daran gewöhnlich nur bis zu einem (individuell verhandelten) Eigenanteil von 20% beteiligt.

Das Votum fährt fort und erwartet strukturelle Defizite von rund 30% in 2025 (300.000 Euro) und rund 40% in 2030 (rund 500.000 Euro). Es beschreibt keine Details, wie es dazu kommt und woraus diese bestehen, und erläutert den Begriff des „strukturellen Defizits“ nicht.

Sozialraum

Das Votum beschreibt den Sozialraum (die Stadtteile von Wattenscheid mit Bevölkerungsstruktur, Altersstruktur, Arbeitslosigkeit und Infrastruktur genau. Es wird auch das Sinus-Milieu-Modell vorgestellt. Es gibt zwar auf Straßenebene eine Grafik der Milieus, jedoch finden sich keine Bemerkungen, ob und wie diese mit pastoralen Verhältnissen zusammen passen, oder ob daraus pastorale Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Prozessdokumentation

Der PEP Prozess wird im Detail vorgestellt und die gebildeten Gruppen werden ausführlich vorgestellt. Auch auf die Meilensteine wird eingegangen. Wichtigster Meilenstein war der letzte öffentliche Meilenstein am 08.11.2017. Hier wurden die „Kernpunkte eines möglichen Votums“ vorgestellt und von 270 Menschen diskutiert.

Die Bedürfnisse der Jugend wurden übrigens in einem eigenen „Runden Tisch“ berücksichtigt.

Es ist unklar, weshalb nach dem 8. November noch so lange Zeit bis zur Abgabe des Votums verstrichen ist.

Akzeptanz des Votums

Das Votum weist zwei Kirchen als A-Kirchen aus: St. Gertrud und St. Maria Magdalena. Dabei gibt es eine Besonderheit: Es wird geplant, St. Maria Magdalena am selben Standort durch einen Neubau zu ersetzen. Alle übrigen Kirchen sollen in einem Stufenplan, der 2015 als weiteren Meilenstein besitzt, aufgegeben werden.

Dieser Plan war der Gemeinde seit dem 08.11.2017 in dieser Form bekannt und ist nicht umstritten. Er wird auch von den aufzugebenden Gemeinden getragen.

Pastoralkonzept

Das pastorale Konzept ist strukturiert angelegt und beginnt mit dem Leitbild der Pfarrei vom September 2012.

Danach werden bis 2030 vier allgemeine pastorale Ziele formuliert.

Zu diesen sollen neun Vereinbarungen führen. Das Engagement der Pfarrei soll an sechs Leitsätzen nachvollziehbar und überprüfbar gelegt werden.

Am ausführlichsten werden die Leitsätze dargestellt. Hier gibt es über 30 teilweise recht klar formulierte Punkte.

In der Summe gibt es noch eine Zusammenfassung des anstehenden Veränderungs- und Klärungsbedarfs in Form von sieben Punkten.

Dieses Konzept wurde am 12.07.2017 in breitem Konsens angenommen.

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