Keine Volkskirche mehr

Die Zeit der Volkskirche ist vorbei, sagen uns berühmte Theologen. Und seit langem sagen uns unsere Bischöfe – und unsere Pfarrer sprechen es ihnen nach – „Wir sind keine Volkskirche mehr“. In meinen Ohren klingt es fast wie der Vorwurf: „Ihr seid ja keine Volkskirche mehr“. Mit dem unausgesprochenen Nachsatz: also beschwert euch nicht, wenn wir angesichts fehlender Priester und steigender Kirchenaustritte schmerzhafte Maßnahmen vorsehen müssen. „Keine Volkskirche mehr“ weiterlesen

Diözesane Kirchensteuer

Bis zum Jahr 1950 gingen alle Einnahmen aus der Kirchensteuer in Deutschland an die Ortsgemeinden (Pfarreien). Diese besoldeten daraus ihre Seelsorger (Pfarrer, Vikare und Kapläne), weiteres Kirchenpersonal wie Küster, Organist und Bürokräfte. Außerdem wurden alle laufenden Ausgaben für die Gottesdienste und die Gebäude wie Kirche, Pfarrhaus mit der Dienstwohnung des Pfarrers und dem Pfarrbüro, andere Dienstwohnungen und (damals noch nicht häufig) Versammlungsräume für die Jugend und Gemeinde bezahlt. Als Eigentümerin der Gebäude trug die Pfarrei auch alle Instandhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen an ihren Gebäuden.

Wenn die Pfarrei Trägerin einer Einrichtung war wie Kindergarten, Schule, Altersheim, Krankenhaus oder Friedhof, dann musste sie auch dafür Gelder aufbringen und dafür sorgen, dass diese auch Einnahmen erzielten, denn für alles reichte die Kirchensteuer nicht aus.

Zuletzt oblag es der Pfarrei auch, einen gewissen Betrag an das Bistum abzuführen zur Finanzierung diözesaner Aufgaben. Dazu gehörte damals wie heute nicht die Finanzierung des sog. Bischöflichen Stuhls, also des Lebensunterhalts von Bischof, Weihbischöfen und enger Mitarbeiter, und auch nicht des Domkapitels, sondern im Wesentlichen nur des sog. Bischöflichen Ordinariats, also seiner Behörde, dem der Generalvikar vorstand, und auch deshalb oft Generalvikariat genannt wird.

Leider kennen wir keine Quellen aus der damaligen Zeit, welche nähere Beschreibungen enthalten.

 

St. Gertrud von Brabant Bochum-Wattenscheid

Die Pfarrei gehört wie alle vier Bochumer Großpfarreien (ausgenommen die kleinste Pfarrei des Bistums Matris Dolorosae in BO-Stiepel) zu den Top 10 im Bistum, also zu den Schwergewichten. Sie liegt nach Mitgliederzahl (2016: 25.882) auf dem achten Platz und hat mit 33,8% einen überdurchschnittlichen Katholikenanteil (Platz 15).

Das Votum nennt acht aktive Standorte in sechs Gemeinden mit zwei Filial- und zwei weiteren Kirchen, außerdem eine Kapelle. Es gibt jedoch noch eine weitere kleine Kapelle und eine teilprofanierte, jetzt als Kolumbarium genutzte ehemalige Kirche.

Die Pfarrei hat insgesamt vier sehr aktive Standorte, denn die Statistik des Bistums sagt, dass die drei Gemeindekirchen St. Gertrud, St. Maria Magdalena und St. Joseph zu den 100 am stärksten genutzten Kirchen gehören, und dicht dahinter die Filialkirche St. Theresia. Die weitere Kirche (St. Barbara) wurde übrigens wegen geringer Nutzung vor kurzem als Gottesdienst­standort ganz aufgegeben.

Das Votum fällt mit 20 Seiten sehr kurz aus und liegt weit unter dem Durchschnitt (35 Seiten) im Bistum. Es wurde auch relativ spät erst im August 2018 vorgelegt.

Das Votum bezieht sich stark auf einen relativ jungen Pastoralplan aus dem Jahre 2012. Die Pfarrei fühlt sich als eine sehr starke Gemeinschaft aus sechs Gemeinden. Sie sieht sich so, dass Gott ihr „nicht den Geist der Verzagtheit gegeben (hat), sondern der Liebe und Besonnenheit“.

Die wirtschaftliche Ausgangs­situation auf Seite 2 nennt einen ausgeglichenen Haushalt im Jahre 2015 mit einem Volumen von rund 1,1 Mio Euro. Im Jahre 2015 wurde die Buchführung von der Kameralistik auf kaufmännisches Rechnungswesen (Doppik) umgestellt. Das Votum konstatiert, dass somit „zukünftig auch die Abschreibungen und auch Rückstellungen für die  Bauunterhaltung zu erwirtschaften (sind)“.

Dieses ist zu beanstandenwar ist es richtig, dass Abschreibungen von Unternehmen der Privatwirtschaft erwirtschaftet werden, jedoch galt für die Bauunterhaltung in der kirchlichen Finanzwirtschaft bisher eine ganz andere Regel.

Seit 1950 war es nämlich Aufgabe des Bistums, die Baulasten zu tragen, und die Pfarreien wurden daran gewöhnlich nur bis zu einem (individuell verhandelten) Eigenanteil von 20% beteiligt.

Das Votum fährt fort und erwartet strukturelle Defizite von rund 30% in 2025 (300.000 Euro) und rund 40% in 2030 (rund 500.000 Euro). Es beschreibt keine Details, wie es dazu kommt und woraus diese bestehen, und erläutert den Begriff des „strukturellen Defizits“ nicht.

Sozialraum

Das Votum beschreibt den Sozialraum (die Stadtteile von Wattenscheid mit Bevölkerungsstruktur, Altersstruktur, Arbeitslosigkeit und Infrastruktur genau. Es wird auch das Sinus-Milieu-Modell vorgestellt. Es gibt zwar auf Straßenebene eine Grafik der Milieus, jedoch finden sich keine Bemerkungen, ob und wie diese mit pastoralen Verhältnissen zusammen passen, oder ob daraus pastorale Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Prozessdokumentation

Der PEP Prozess wird im Detail vorgestellt und die gebildeten Gruppen werden ausführlich vorgestellt. Auch auf die Meilensteine wird eingegangen. Wichtigster Meilenstein war der letzte öffentliche Meilenstein am 08.11.2017. Hier wurden die „Kernpunkte eines möglichen Votums“ vorgestellt und von 270 Menschen diskutiert.

Die Bedürfnisse der Jugend wurden übrigens in einem eigenen „Runden Tisch“ berücksichtigt.

Es ist unklar, weshalb nach dem 8. November noch so lange Zeit bis zur Abgabe des Votums verstrichen ist.

Akzeptanz des Votums

Das Votum weist zwei Kirchen als A-Kirchen aus: St. Gertrud und St. Maria Magdalena. Dabei gibt es eine Besonderheit: Es wird geplant, St. Maria Magdalena am selben Standort durch einen Neubau zu ersetzen. Alle übrigen Kirchen sollen in einem Stufenplan, der 2015 als weiteren Meilenstein besitzt, aufgegeben werden.

Dieser Plan war der Gemeinde seit dem 08.11.2017 in dieser Form bekannt und ist nicht umstritten. Er wird auch von den aufzugebenden Gemeinden getragen.

Pastoralkonzept

Das pastorale Konzept ist strukturiert angelegt und beginnt mit dem Leitbild der Pfarrei vom September 2012.

Danach werden bis 2030 vier allgemeine pastorale Ziele formuliert.

Zu diesen sollen neun Vereinbarungen führen. Das Engagement der Pfarrei soll an sechs Leitsätzen nachvollziehbar und überprüfbar gelegt werden.

Am ausführlichsten werden die Leitsätze dargestellt. Hier gibt es über 30 teilweise recht klar formulierte Punkte.

In der Summe gibt es noch eine Zusammenfassung des anstehenden Veränderungs- und Klärungsbedarfs in Form von sieben Punkten.

Dieses Konzept wurde am 12.07.2017 in breitem Konsens angenommen.

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Risiken und Nebenwirkungen

Wenn Sie das erste Mal diese Webseite besuchen, bringen Sie immer Ihre ganz persönlichen Erwartungen mit.

Diese wollen wir nicht enttäuschen!

Wir wollen also kurz beschreiben, was wir NICHT sind und was wir NICHT wollen!


Das Bild (Logo) hier oben zeigt die Silhouette einer modernen Kirche mit einem Glasdach, durch das sehr viel Licht ins Innere strömt.

  • Wir bewegen uns auf kirchlichem Boden: wir wollen weder die Kirchensteuer abschaffen, noch die ganze (katholische) Kirche.
  • Auch die großen gesellschaftlichen, nationalen oder weltkirchlichen Fragen nehmen wir zwar sehr aufmerksam wahr, aber halten uns dazu eher zurück.
  • Wir wollen möglichst viele unserer Kirchen im Bistum Essen erhalten und sie nicht aus rein fiskalischen Gründen „einsparen“.
  • Kirchen sollen wie bisher baulich unterhalten werden, wenn deren Gemeinden lebendig und aktiv genug sind, dass sie mit viel Engagement und Einsatz ein offenes und einladendes Haus Gottes führen. Sie sollen nicht „arm“ gerechnet und „eingespart“ werden.
  • Kirchenvorstände sollen die von ihnen frei beschlossenen wirtschaftlichen Maßnahmen in der Phase „Handeln“ des PEP vorerst nicht umsetzen. Oder nur dort, wo dies im Einvernehmen mit den betroffenen Gemeinden geschieht.
  • Gemeinden, die ihre Kirche erhalten wollen, sollen nicht in pastorale Ersatzräume abgedrängt werden.
  • Wir wollen keine deprimierende Stimmung von „Nun gibt es kein Zurück mehr“ im Bistum, welche das Vertrauen und die Hoffnung der Mitglieder enttäuscht. Wir wollen die Abwärtsspirale anhalten.
  • Wir suchen nach wirklichen Signalen und Erneuerungen, die nicht nur rhetorisch gemeint sind, sondern die Menschen wirklich positiv berühren.
  • Wir würden gerne den Pfarrei-Entwicklungs-Prozess (PEP) anhalten und in einen Pfarrei-Erneuerungs-Prozess (PEP 2) umwandeln.

Was ermutigt uns zu dieser Hoffnung?

 

Wir bewegen uns auf dem Boden von Papst Franziskus, welcher die Laien ermuntert, sich nicht „als Befehlsempfänger der Hierarchie zu betrachten, sondern als Teilhaber an der rettenden Mission der Kirche, zu der alle vom Herrn durch Taufe und Firmung gerufen sind.“

Und wir stimmen ihm zu, wenn er sagt: „Wir brauchen Laien, die etwas riskieren, die sich die Hände schmutzig machen, die keine Angst davor haben, auch mal einen Fehler zu machen, die vorwärts gehen. Wir brauchen Laien mit einer Zukunftsvision, nicht ein­geschlossen in die kleinen Dinge des Lebens.“

Und wir folgen unserem Bischof, der in seinem Hirtenwort 2019 ausdrücklich zum „Miteinander und dass wir in diesen schwierigen Zeiten achtsam und behutsam miteinander umgehen“ aufruft. Er gibt uns mit auf den Weg, dass „die Zeiten der Tabus vorbei sind und dass jede Frage gestellt werden kann.“

Der Bischof will also das pastorale Leben erhalten, für ein gutes Miteinander sorgen und kein Gegeneinander sehen. Er will, dass wir einander respektieren und geschwisterlich miteinander umgehen.


Auf dieser Webseite geht es also um finanzielle Fragen. Wie kann man Kirchen, die von der Einsparung bedroht sind, aber deren Gemeinden sich selbst noch für aktiv und lebensfähig halten, erhalten? Es geht also – in einem einzigen Wort – um GELD! Bitte beachten Sie aber:

Wir wollen nicht JEDE Kirche er­halten und auch nicht um JEDEN Preis. Es muss schon „Sinn“ machen.


  • Wir sind der Meinung, dass die Voten der Pfarreien im Pfarrei­entwicklungs­prozess (PEP) in vielen Fällen nicht die Meinung der Basis­gemeinde wiedergeben.
  • Wir entwickeln keine eigenen pastoralen Programme oder innovativen Konzepte, mit denen das Gemeindeleben modernisiert oder erneuert werden kann, sondern sind gerne bereit, diese nach Kräften zu fördern.

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind…

Weitere Aussagen zu unserem  „Programm“ finden Sie hier über uns, ganz kurz hier über unsere Ziele und dazu ein Frage- und Antwortspiel. Lesen  Sie auch unser Manifest: Aufruf zur Gründung.


Wo kämen wir hin,
wenn alle sagten,
wo kämen wir hin,
und niemand ginge,
um mal zu schauen,
wohin man käme,
wenn man ginge.

Kurt Marti, Pfarrer und Dichter


Und nun wünschen wir Ihnen einen guten Aufenthalt auf unserer Webseite.

 

Demographie

Generationenfreundliche Zukunft

Die Attraktivität unserer Kirchengemeinden wird maßgeblich davon mitbestimmt werden, wie familien- und generationenfreundlich sie sind, ob sie eine aktivierende und den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werdende Angebote für Senioren haben und ob es ihnen gelingt, den Zusammenhalt der Generationen innerhalb und außerhalb der Familien zu stärken. „Demographie“ weiterlesen