Reiche und arme Pfarreien

Als in den 1950er Jahren die Kirchensteuer von der Ortskirchensteuer auf die diözesane Kirchensteuer umgestellt wurde, war eines der Argumente für die Umstellung das Wort des damaligen Kölner Erzbischofs Josef Kardinal Frings:

Zwischen reichen und ärmeren Gemeinden muss das Geld gerechter aufgeteilt werden.

Danach bekam jede Kirchengemeinde (=Pfarrei) nur noch eine sog. Schlüssel­zuweisung, die nach einem bestimmten „Schlüssel“, d.h. einer Formel  berechnet wurde, in die die Kopfzahl und die Fläche jeder Pfarrei einging. Außerdem haben die  Bistümer noch einen zusätzlichen „Solidar­ausgleich“ eingearbeitet, der weniger genau nachvollziehbar ist.

Es spielte keine Rolle mehr, ob in der Pfarrei eher gut oder eher gering verdienende Mitglieder wohnten. Diese zahlten alle in den gemeinsamen Topf, der nunmehr vom Bistum verteilt wurde. Schön!

Pfarreien sollen Gebäude selbst erhalten

Nun plant das Bistum Essen wieder eine Umstellung. Die Pfarreien sollen in Zukunft dafür verantwortlich sein, ihre notwendigen Gebäude, vorrangig Kirchen, selbst zu unterhalten. Dazu sollen sie in ihrem eigenen Haushalt zweckgebundene Rücklagen für die Instandhaltung ihrer A-Kirchen (allgemein: aller A-Gebäude) bilden. Damit das den Pfarreien (etwas) leichter fällt, hat das Bistum eine neue „Zuweisung zur Beteiligung an der Instandhaltung von Gebäuden“ erfunden, welche allerdings in der Höhe sehr begrenzt ist und auch nach einer bestimmten Formel gewährt wird.

Wird dadurch durch die Hintertür die Unterscheidung zwischen arm und reich wieder eingeführt?

Es ist zweifelsohne so, dass einige Pfarreien über mehr wertvolle Grundstücke und Mietobjekte verfügen als andere. Somit erzielen sie höhere Vermögenserträge, die sie in ihren Haushalt stecken können. Sie haben auch Mitglieder, die aufgrund ihres höheren Einkommens wesentlich eher willens und in der Lage sind, einem Förderverein zu helfen, die finanziellen Lasten zu tragen, welche Gebäude nun einmal mit sich bringen.

Es gibt sogar Pfarreien, die über ein sog. Patronat des Landes NRW verfügen, welches sich am Erhalt einer historisch besonders wertvollen Kirche teilweise bis ganz beteiligt.

Dadurch bildet sich unübersehbar doch eine Zweiteilung der Pfarreien in besser und in weniger gut gestellte heraus. Einige bewegen sich finanziell am Limit und schaffen gerade mit Mühe, ihren Haushalt auszugleichen. Sie sind gezwungen, relativ schnell ihre nicht-A Kirchen einzusparen und andere Verwendungen für sie zu suchen, nur damit der Haushalt entlastet wird. Andere haben ihren Haushalt relativ komfortabel im Griff. Sie bekommen es sogar hin, ihre nicht-A Kirchen noch lange zu finanzieren, obwohl für diese vom Bistum kein Cent Kirchensteuer mehr kommt.

Denkmodell: Besoldung der Seelsorger

Warum ist man dann so inkonsequent? Wenn das Bistum schon die Pflicht zum Erhalt der Gebäude abgeben will, welche es seit den 1950ern hatte, warum tut es das dann nicht auch für die Besoldung der Seelsorger? Denn als es noch die Ortskirchensteuer gab, haben die Pfarreien ihre Pfarrer aus ihrem eigenen Geld natürlich selbst bezahlt. Erst mit der diözesanen Kirchensteuer ging das auf die Bistümer über.

Warum macht das Bistum nicht „Nägel mit Köpfen“? Die Pfarreien bekämen vom Bistum eine neue „Zuweisung zur Beteiligung an der Besoldung von Seelsorgern“. Diese mag auch nach einer bestimmten Formel berechnet und sogar auch noch gedeckelt sein. Denn dann kann und muss jede Pfarrei selbst prüfen und entscheiden, wie viele Seelsorger (und welcher Stufe) sie sich leisten will.

Dann wäre es aber nur recht und billig, wenn die Pfarreien ihre Stellen selbst ausschreiben und mit geeigneten Bewerbern besetzen könnten. Und es wäre wohl auch zu rechtfertigen, wenn eine Stelle auf fünf oder zehn Jahre befristet wäre und die Verträge dann neu verlängert  würden. Und die Kirchenvorstände wären die Vorgesetzten des Pfarrers und nicht der Pfarrer der Vorsitzende.

Würde dann nicht ein echter „Ruck“ durch die pastorale Landschaft gehen? Und die Leute endlich wieder in die Kirchen strömen, denn neue „Besen“ kehren bekanntlich (für bestimmte Zeit) immer sehr gut. Und wäre dann die kirchliche Hierarchie wirklich auf die vielbeschworene Augenhöhe mit den Laien gegangen.

Es wäre sicher interessant, eine Umfrage unter Gemeinde- und Gremienmitgliedern zu machen, wie denn das ankommen würde. Oder bei den Seelsorgern. Wird dieses Modell in der Evangelischen Kirche nicht in ähnlicher Weise praktiziert? So ganz weltfremd scheint es also nicht zu sein.

 

 

 

Demographie

Generationenfreundliche Zukunft

Die Attraktivität unserer Kirchengemeinden wird maßgeblich davon mitbestimmt werden, wie familien- und generationenfreundlich sie sind, ob sie eine aktivierende und den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werdende Angebote für Senioren haben und ob es ihnen gelingt, den Zusammenhalt der Generationen innerhalb und außerhalb der Familien zu stärken. „Demographie“ weiterlesen