PEP quo vadis? – Kein Tod auf Raten!

Es gibt keine Gewinner und Verlierer. PEP.

Die Pfarreien immunisieren sich gegen wirkliche Veränderungen. Sie sind anscheinend freiwillig bereit, die Mehrzahl unserer Kirchen zur Disposition zu stellen und „weiterzuentwickeln“.

Wortwahl

Mit Weiterentwickeln vermeiden wir das schreckliche Wort Aufgabe. Die meisten Pfarreien sind in ihren Presse­mitteilungen und Gemeinde­versammlungen stolz darauf, das Wort in der Tat zu vermeiden. Sie erwecken doch tatsächlich den Anschein, Planungs­sicherheit und Bestands­garantien zu geben. Ja, für wie lange denn?

Wir schließen doch keine Kirche! Nein, nicht sofort, das stimmt ja. Auch nicht zwangsweise in nur ein oder zwei Jahren, aber bis 2030 durchaus konsequent in einem Tod auf Raten durch Vorent­haltung von Geld. Es sei denn, es finden sich Finanz­partner von dritter Seite, die (auch) an der Erhaltung sakraler Räume ein Interesse haben.

Klartext

Man kann es den betroffenen und in der Regel durchaus verständ­nis­losen Gemeinden nicht verübeln, wenn sie solche Sprache nicht mögen und unverblümt sagen: unsere Kirche wird geschlossen.

Auch evangelischen Christen oder kirchen­kritischen Bekannten kann man solche Fein­heiten kaum vermitteln und man muss schon Gremien­mitglied sein, damit einem diese Begriffe flüssig von der Zunge kommen. Es hätte dem PEP wesentlich besser angestanden, von „zeitlich gestaffelter Aufgabe“ zu sprechen mit der „denkbaren Möglichkeit“, diese durch Sponsoren oder „Dritt­finanzierung“ abzuwenden. Dann wären die Pläne jedenfalls klar und deutlich.

Ob der Bischof das den kommunalen Spitzen­vertretern, die er Ende Juni empfangen hat, wohl auch so deutlich gesagt hat? Und dass tatsächlich nach dem Stand von Mitte Juli 2018 zwei Drittel unserer Kirchen davon betroffen sind?

Was kommt auf die Gemeinden zu?

Das hören die Gremien und das Bistum gar nicht gern. Statt dessen werden sie nicht müde, auf erfolgreiche Umnutzungen und neue Misch­nutzungen zu verweisen oder wenigstens auf erhaltene Kirchtürme als sogenannte Landmarken im Stadtbild. Eine Gemeinde will aber keine Landmarke. Auch bei einer Umnutzung bleibt nur eine äußere Hülle, nicht leblos zwar, aber ohne den gewohnten Sinn. Eine Mischnutzung ist verlockend, vor allem wenn am Anfang kräftig investiert und modernisiert werden soll, aber der nüchtern Denkende hätte gern gewusst ob sich das wirklich rechnet und langen Atem hat oder ob irgendwann doch das Aus kommt.

Das hört sich gut an

Fast jedes Votum formuliert in seinem pastoralen Teil, der in der Regel den meisten Raum einnimmt, das eine oder andere normative Ziel, welches eine Kirchen­schließung glatt verhindern würde, wenn man es denn ernst nähme. Beispiele:

partizipativer und individueller, bunter Dialog – weg von Hierarchie­ent­schei­dungen – Getaufte müssen mitreden und mitgestalten können – viele Kirchen­orte in hoher Eigen­ständigkeit und Partizi­pation – Beteili­gungs­kirche mit viel Kommuni­kation und „last but not least“: es gibt keine Gewinner und Verlierer.

Ernst genommen?

Soll das ein Witz sein? Wie soll sich denn eine Gemeinde fühlen, die fünfzigmal im Jahr mit dem ÖNV in die zentrale Pfarr­kirche fährt, dafür jeden Sonntag drei Stunden braucht und im Jahr fast so viel Fahrt­kosten zahlt wie Kirchen­steuer. Oder mit dem Auto nach nicht-existenten Parkplätzen sucht. Also „Verlierer“ drängt sich da schon auf. Oder die mit ihrem Förderverein 51.000 € im Jahr für ihre C-Kirche stemmt, während die lieben Mitbrüder und -Schwestern für ihre A-Kirche nichts, ja wirklich nichts, aufbringen.

Auswege

Gut: die Voten haben das auch gemerkt und sie träumen dann eben schnell von Fahr­gemein­schaften und Fahr­diensten. Oder sie loben ihre Förder­vereine für deren vorbildliches Engagement.

Geldquelle

Aber was kann ein Förder­verein erreichen? Ein durch­schnitt­licher Förder­verein mit 100 Mitgliedern und bis zu 50 € Beitrag im Jahr kann nur 5.000 € einspielen, mit Maibaum, Pfarrfest, Weihnachtsbaum- und anderen Aktionen weitere 5.000 € und nochmals 10.000 € durch vermögende Einzel­spender oder Vermächtnisse im Todes­fall. Mehr als 30.000 € geht nicht. Es reicht für eine Nach­kriegs­kirche. Aber das Gemeinde­heim bekommt nichts. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass dann auch für Frauen­gruppe, Chor, Jugend, Bücherei und andere sinnvolle Maßnahmen in den vergangenen Jahren gar nichts mehr verbleibt. Kein einziges Votum zitiert belast­bare Daten über existierende oder erwünschte Fördervereine.

So ist es

Ja – es gibt eben doch Verlierer. Die wollen nicht, dass man mit ihnen zusammen „trauert“. Die wollen einfach nicht verlieren. Wollen aufrichtig behandelt werden. Wollen, dass alle die Lasten gleich tragen.

Mehr Mut in den Pfarreien

Wieso verweigert sich eigentlich keine Pfarrei einfach dem Spardiktat und erklärt durch die Bank einfach alle ihre Kirchen zu B-Kirchen? Dann könnte man nämlich in Ruhe die bauliche Entwicklung planen, abwarten ob die pastoralen Belebungen greifen oder ob tatsächlich weiterer Lebens­wille vor Ort wächst oder schwindet. Denn eines ist klar: wenn die Basis meint, die Kirche ist nicht mehr haltbar, dann ist es am Ende gut so.

Quo vadis?

Statt dessen fahren die Pfarreien ihre Haushalte jetzt zurück, steigern aber ihre Rück­lagen oder Rück­stellungen in bisher nie gekanntem Ausmaß und lagern Unsummen auf ertragslosen Konten. Warum? Doppelte Buchführung? Abfedern von wirt­schaft­lichen Schwankungen? Wozu? Lassen wir die Kirchen­steuer sich entwickeln wie sie sich entwickelt und die Schwankungen kommen. Dann ist die rechte Zeit zu reagieren. Dann wird man auch die richtigen Maßnahmen sehen und die richtigen Prioritäten finden. Und wenn man dann eine Kirche „von heute auf morgen“ absperren muss. Immer noch besser als der „Tod auf Raten“.

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