Finanzberichte

Von der Öffentlichkeit beinahe unbemerkt haben einige Kirchengemeinden, vor allem im Erzbistum Köln, damit begonnen, Finanzberichte zu veröffentlichen.

Zunächst noch recht zaghaft hier und da und erst einmal nur für das Jahr 2015 und früher. Aber das gibt Hoffnung!

Jedenfalls hat das Kölner Domradio bereits am 31.05.2017 eine Meldung verbreitet, nach der St. Jacobus in Hilden seine Bilanz 2013 ins Netz gestellt hat.
Auch die Aachener Zeitung folgt am 05.06.2017 mit derselben Meldung.

In der Tat legt die 19.000 Katholiken starke Pfarrei mit 4 Kirchen, deren Einzugs­bereich die Stadt Hilden (55.569 Einwohner) ist, mit Unterstützung des Erzbistums Köln einen Jahresbericht vom Feinsten vor. Auf genau 20 Seiten werden nicht nur die Bilanz zum 31.12.2013 vorgelegt, sondern auch die Ergebnisrechnung (GuV) und zahlreiche Erläuterungen, welche die pastorale Situation der Gemeinde erhellen, aber auch dem Leser eine Vielzahl von spezifisch kirchlichen Bilanzkonzepten erläutern. Dieser Jahresbericht kann sich ohne Weiteres mit den schon seit ein paar Jahren vorgelegten Berichten unserer Bistümer messen.

Dabei sind sie nicht einmal die ersten. Die Gemeinde St. Clemens und Mauritius Köln-Mülheim (8 Kirchen) hatte bereits ihren Jahresbericht 2011 veröffentlicht. Die Gemeinde ist berühmt für ihre seit 400 Jahren praktizierte Schiffsprozession (Gottestracht) auf dem Rhein an Fronleichnam.

Weitere Gemeinden

BISTUM LIMBURG
St. Bonifatius Wiesbaden (8 Kirchen, 22.000 Katholiken) 2013 (Info) und 2014 (Info)

ERZBISTUM KÖLN
St. Franziskus-Xaverius Düsseldorf (3 Kirchen, 12.000 Katholiken) 2014
St. Georg Neunkirchen-Seelscheid (1 Kirche, 2.800 Katholiken) 2016
St. Johannes Lohmar (9 Kirchen, 12.000 Katholiken) 2015
St. Johannes Troisdorf (4 Kirchen, 9.212 Katholiken) 2015
St. Lambertus Düsseldorf (4 Kirchen, 4.000 Katholiken) 2015
St. Laurentius Bergisch-Gladbach (4 Kirchen, 9.500 Katholiken) 2015
St. Patricius Eitorf (6 Kirchen, 8.781 Katholiken) 2015
St. Petrus Bonn (5 Kirchen, 8.000 Katholiken) 2015
St. Remigius Opladen (5 Kirchen, 11.158 Katholiken) 2015

Gemeindeverband Neuss-Mitte (4 Gemeinden mit 7 Kirchen, 17.000 Katholiken) 2015
Gemeindeverband „Altenberger Dom“ Odenthal, Burscheid, Altenberg (3 Gemeinden mit 7 Kirchen, 11.200 Katholiken) 2014

Seelsorgebereich Stadt Bedburg (8 Gemeinden mit 11 Kirchen, 15.000 Katholiken) 2016
Seelsorgebereich Zülpich Download 2014 (Nur Zahlen ohne Erläuterungen)

Wünsche an die Zukunft

In den Internetauftritten der Gemeinden genießen die Finanzberichte noch kein volles Ansehen. Meistens findet man keinen Link auf sie, nicht einmal von der Seite des Kirchenvorstandes aus. Ohne Suchmaschine sind sie derzeit noch völlig unauffindbar. Wir wollen hoffen, dass sich das bald ändern wird.

Außerdem ist zu hoffen, dass die Erstellung eines Finanzberichts bald nicht mehr 2 Jahre in Anspruch nehmen wird, sondern nur noch, wie in der Wirtschaft üblich, bestensfalls 6 Monate. Dann hätten wir hervorragende Aktualität. Der Aufwand für einen Finanzbericht ist im Moment aber noch sehr hoch und die ohnehin überlasteten Rendanturen (Rentämter) können nicht mithalten.

Wir wünschen uns natürlich auch, dass bald alle Gemeinden ihre Finanzen so offenlegen. Und dass sich diese Praxis natürlich auf die anderen Bistümer verbreiten möge.

Denn: bisher ist die Teilnahme der Kirchengemeinden an dieser Transparenz-„Offensive“ (Kardinal Marx) völlig freiwillig. Sie löst bei den ehrenamtlichen Mitgliedern der Kirchenvorstände Vorbehalte wegen erheblicher Mehrarbeit aus. Und: es wird ja erwartet, dass nach der erstmaligen Beteiligung die Finanzberichte auf Dauer weiter erscheinen. Hoffen wir also, dass sich hier die Einstellung auf breiter Front ändern und bald Routine einstellen wird. Es muss ja nicht immer eine Hoch­glanz­bro­schüre gedruckt werden. Ein preiswertes, zusammenfassendes Faltblatt zur Auslage in der Kirche und eine ausführliche Pdf-Datei sind vollkommen ausreichend.

Zielgruppe

Die Autoren der Finanzberichte müssen sich fragen, wer die Berichte lesen soll. Aktuell scheinen sie sowohl von ihrer Sprache als auch von ihrem Zahlenmaterial her eher für Insider geschrieben zu sein. Ein einfaches Gemeindemitglied kann sich nur schwer angesprochen fühlen.

Viele Erklärungen sind zwar gut gemeint, aber letztlich zu abstrakt und fallweise würden ihnen Beispiele ganz gut tun. Es mangelt auch an Erklärungen für teils sehr historische Begriffe wie „Fabrikfonds“, selbst wenn diese im Prinzip kaum noch praktische Bedeutung haben. Aber sagen könnte man das mindestens. Die Tatsache, dass man Substanzkapital durch interne Darlehen „beleihen“ kann, ist verblüffend. Macht doch die „eherne“ Regel komplett hinfällig, oder nicht? Bitte erläutern.

Ein Gemeindemitglied hat häufig seine Kirche und sein Pfarrheim besonders im Blick. Was kosten diese denn? Diese Fragen kann sich der Leser nicht beantworten. Ob ein Gottesdienst mit 100 Teilnehmern seine Kosten wohl trägt, wenn der Leser seinen eigenen gewohnten Beitrag zur Kollekte mit der Teilnehmerzahl multipliziert? – Keine Info. Wieviel müsste eine 4stündige Versammlung im Gemeindeheim in einem Gruppenraum mit 50 qm kosten? – Keine Info. Hier ist noch Raum für mehr.

Es wäre also sicher notwendig, einige Kostenstellenberichte mit anzubieten. Ebenso wäre es sinnvoll, immer alle laufenden Bauprojekte aufzulisten und über die wichtigsten davon immer im Detail zu berichten. Auch über diejenigen, die gerade beim Bistum zur Beantragung anstehen.

Am besten sollten die Anbieter die Berichte ausgiebig testen, mit ganz unterschiedlichen Lesern, um somit Erkenntnisse zu sammeln, in welcher Richtung sich das neue und sehr wichtige Instrument der Transparenz noch fortentwickeln muss. Umfragen können hier weiterhelfen.

Aktueller Stand

Wenn Sie sich über den aktuellen Stand informieren wollen, sollten Sie eine Suchmaschine benutzen. Zum Beispiel mit dieser Suchabfrage!

Bistum Essen

Das Bistum Essen hat am 6.6.2014 eine Haushaltsordnung für das Bistum Essen erlassen und im Kirchlichen Amtsblatt verkündet. Hier heißt es in §20:

Jeder Rechts­träger hat für den Schluss eines jeden Haushalts­jahres einen Jahres­abschluss aufzustellen.

Nach §23 besteht der Jahresabschluss aus der

Bilanz, der Ergebnisrechnung und dem Anhang. ... Ein Lage­bericht kann erstellt werden.

Die angesprochenen Rechtsträger sind: das Bistum, der Bischöfliche Stuhl, der Kita-Zweckverband, die Dienst­leistungs­gesell­schaft und die Kirchen­emein­den.

Die Ordnung tritt sogar rückwirkend zum 1.1.2014 in Kraft, für einige Kirchen­­gemeinden allerdings erst ab 1.1.2015 und für die letzten von ihnen ab 1.1.2016. Bedauerlicherweise wird keine Regelung zur Veröffent­lichung des Jahres­abschluss getroffen. Wir werden versuchen, vom Generalvikariat eine Aussage in dieser Hinsicht zu bekommen und werden sie hier veröffentlichen.

Weiterführende Links

Das Erzbistum Köln hat eine Anleitung zur Transparenz der Gemeindefinanzen erstellt und einen Workshop Gemeindefinanzen veranstaltet.

Das Erzbistum München und Freising hat eine gewaltige Einführung in die Finanzverwaltung geschrieben, weiter Fragen und Antworten.

Die Evangelische Kirche (EKD) hat eine Reihe von sehr nützlichen Informationen auf www.kirchenfinanzen.de aufbereitet, auch eine Sammlung von äußerst anspruchsvollen Downloads. Diese sind jedoch nicht unbedingt 1:1 auf die obigen Finanzberichte anwendbar.

Verschiedene Argumente Pro und Contra haben wir in diesem Beitrag versammelt.

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