Wenig Pro Viel Contra

Wohin hat uns der PEP bis jetzt geführt?

Stand: 28.01.2019

PEP – was war das noch?

Beginnen wir mit einem kurzen Rückblick, weil vielleicht nicht mehr alle Menschen wissen, worum es geht, sofern sie nicht ständig mit kirchlichen Dingen befasst sind. Also, der Pfarrei­entwicklungs­prozess (PEP) hat die Gremien aller Pfarreien im Bistum Essen lange und intensiv bis Mitte 2018 beschäftigt. Von der gründlichen Bestandsaufnahme (Sehen) über die Phase Urteilen kam es zur Vorlage eines schriftlichen Votums beim Bischof. Wie wollen wir uns pastoral und wirtschaftlich für die Zukunft aufstellen? Der Bischof hat alle Voten bis Ende 2018 gesichtet und den Pfarreien Rückantworten geschrieben, in denen weitere Ratschläge und Empfehlungen enthalten waren. Nun erwartet der Bischof, dass überall das Handeln beginnt, und er wird sich in gewissen Abständen Bericht erstatten lassen. Einen Überblick mit vollständigen Links auf alle Voten und viele Antworten des Bischofs finden Sie hier.

Das Votum wurde in jeder Pfarrei in getrennten Abstimmungen vom Pfarrgemeinderat (PGR) und vom Kirchenvorstand (KV) beschlossen. Beide Gremien werden regelmäßig demokratisch gewählt. Sie haben nach gründlicher Arbeit in freier Abstimmung beschlossen. Im Vorfeld waren in der Regel alle Gemeinde­mitglieder aufgerufen, an Arbeitsgruppen teilzunehmen, in denen verschiedene thematische Fragen beraten und viele Zahlen, Daten und Fakten gesammelt wurden. In Gemeinde­versammlungen wurde mehrfach über Zwischenstände informiert und die Aufrufe zur Mitarbeit erneuert. In manchen Fällen wurden die Gemeinden vor der Endabstimmung in den Gremien noch vom finalen Stand informiert, in anderen Fällen war das nicht der Fall. Die meisten Voten dokumentieren, wie bei ihnen vorgegangen wurde. 

Eine wissenschaftliche Auswertung der Voten ist bisher noch nicht erfolgt; allerdings war die Zeit dazu auch noch sehr eng. Sie soll nach den Wünschen des Bischöflichen Generalvikariats (BGV) jedoch wohl an der Uni Bochum noch durchgeführt werden.

Danke an alle Arbeitsgruppen

In allen Voten ist deutlich erkennbar, dass die Pfarreien von den Arbeitsgruppen wirklich gründlich „auf den Kopf“ gestellt wurden. Vor allem die Reichhaltigkeit der pastoralen Ergebnisse ist bemerkenswert. Den Arbeitsgruppen, die dafür wirklich sehr viel Freizeit investierten, kann also nicht genug für diese außergewöhnliche Leistung gedankt werden.

An jedem Standort gab es auch eine Arbeitsgruppe Finanzen, die sich mit der wirtschaftlichen Fortschreibung der Situation beschäftigte und die pastoralen Vorstellungen auf Machbarkeit zu prüfen hatte. Ein besonders wichtiges Augenmerk lag dabei auf den Gebäuden, hauptsächlich den Kirchen und deren in der Zukunft erwarteten Kosten.

Was wollte das Bistum?

Es war die ausdrückliche Vorgabe des Bistums, dass jedes Votum seine Kirchen und anderen Gebäude in A, B, und C klassifizieren sollte. Nur A-Kirchen können nachhaltig ausreichende Haushaltsmittel bekommen, die ihren Bestand auch in Zukunft sichern. B- und C-Kirchen können solange noch genutzt werden, wie ihr Bauzustand es erlaubt und ausreichend Personal weitere pastorale Angebote ermöglicht; sie sind also von Aufgabe bedroht.

Es sind keine konkreten Zeitpunkte vorgeschrieben, allerdings stellen die Jahre 2025 und spätestens 2030 wichtige Meilensteine dar, wo projektierte Umwandlungen oder Aufgaben wohl anstehen sollten. Jede Pfarrei soll in eigener Regie frei darüber entscheiden, ob und wie sie ihre Kirchen in Partnerschaft mit anderen Trägern fortführen, umbauen, aufgeben oder andere Finanzquellen finden, zum Beispiel in Gestalt von Fördervereinen.

Es ist richtig: Das Bistum zwingt keine Pfarrei dazu, bestimmte Kirchen „schnell“ zu schließen. Die Kirchenvorstände sind eingeladen, für ihre Immobilienprojekte die Hilfestellung der Bauexperten des Bistums zu nutzen. Und was für Kirchen gilt, gilt für Pfarrhäuser, Gemeinde- und Jugendheime ebenso.

Wieviele A-Kirchen behalten wir?

Nach kurzer Sichtung aller Voten – und Sie können dies selbst auf diesen Webseiten nachholen – ergibt sich, dass in jeder Pfarrei nur zwei bis vier A-Kirchen verbleiben und die übrigen eben B- und C-Kirchen sind, somit ihre finanzielle Basis verlieren werden.

Insgesamt sind dies in allen 42 Pfarreien unseres Bistums nach aktuellem Stand exakt 91 A-Kirchen, bei insgesamt 262 Kirchen, die im Bistum regelmäßig in Betrieb sind. Daher sind gut zwei Drittel unserer Kirchen offensichtlich bedroht.

Somit stellt sich bei aller wertschätzenden Einstellung zu den Voten die nicht zu unterdrückende Frage: War das die Absicht des Bistums? Es muss doch im PEP irgendetwas „schief“ gelaufen sein. Was könnte das sein?

Verschiedene Meinungen

Der Autor ist seit Anfang 2018, als das Votum seiner Heimatpfarrei vorgelegt wurde, bis zum heutigen Tage im Gespräch mit vielen Menschen gewesen, auch in anderen Pfarreien. Mehrheitlich, das soll hier nicht verschwiegen werden, waren es betroffene Menschen, die keine A-Kirche ihr eigen nennen. Das trübt die folgende Liste sicherlich etwas in einseitiger Weise. Aber sie enthält gewiss eine Anzahl von bedenkenswerten Argumenten.

Wenn Sie insgesamt oder teilweise eine andere Meinung vertreten, äußern Sie sich bitte in den Kommentaren oder schreiben einen Beitrag, den wir hier auf dieser Website als Gegenmeinung veröffentlichen.

Aufeinander zugehen – miteinander reden: das kann man auf vielfältige Weise tun.


Wenig Pro und viel Contra

  1. Es gibt B- oder C-Kirchen, die nach Einschätzung der eigenen Gemeinden nicht mehr die Substanz haben, um noch lange in der Zukunft zu überleben. Die Kirche wird zu groß, füllt sich nie richtig. Immer weniger Menschen nehmen am Gemeindeleben teil oder wollen noch freiwillige Aufgaben übernehmen. Man ist müde und ausgebrannt. Diese Kirchen können mit Recht ihre Finanzierung verlieren. Ihre Mitglieder akzeptieren die Aussagen des Votums.
  2. Andererseits gibt es B- und C-Kirchen, die pastoral lebendige Gemeinden besitzen, die nicht aufgegeben werden wollen. Ihre Mitglieder akzeptieren ihr Votum nicht.
  3. Die Menschen einer sich als lebendig empfindenden Gemeinde sind mit der Verpflanzung in eine zentrale Pfarr- oder benachbarte A-Kirche nicht einverstanden. Dem stehen neben persönlicher Bindung auch sehr häufig sehr praktische Gründe entgegen: Kirche nicht groß genug, zu wenig Parkplätze, schlechte Busverbindung.
  4. Die Gremien sind im Empfinden der Gemeindemitglieder zwar seinerzeit demokratisch gewählt worden, aber völlig ohne die Andeutung einer solch grundlegenden Entscheidung im PEP.

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Diese und weitere Überlegungen werden in einem eigenen Beitrag Kirchen erhalten kostet Geld ausführlich dargestellt.


Das sind …

für den Vortrag in einer Diskussion beinahe zu viele Punkte. Auch kann man sich nicht vorstellen, wie man sie in einem Leserbrief an eine Zeitung unterbringen sollte. Aber was könnte man weglassen? Auf jeden Fall, haben Sie vielen Dank, dass Sie beim Lesen bis hierher durchgehalten haben. Als ich die Liste zu schreiben begann, dachte ich an fünf bis höchstens zehn Punkte. Und klare Prioritäten setzen müsste man eigentlich. Bitte schreiben Sie in einem Kommentar, welches Ihre Prioritäten wären. Und ergänzen Sie dort, wenn Sie weitere Anmerkungen zu machen wünschen.

Ja – und nun?

Das Bistum verfolgt aus verständlichen Gründen seinen Fahrplan, ohne dass man den Eindruck hat, dass es noch eine Diskussion gibt, ob die Ziele noch die richtigen sind. Es gibt Arbeitshilfen für die Pfarreien und organisatorische Hilfestellungen jeder Art für die anstehenden Projekte. Das heißt, ein von den Voten in Gang gesetzter Automatismus droht in Bewegung zu kommen.

Ultima Ratio

Gegeneinwand: in keinem Votum steht, dass es eine angenehme Aufgabe war, die Gebäude in A, B und C zu klassifizieren und dabei zu wissen, dass nur A-Gebäude auf Dauer alle notwendigen Haushaltsmittel aus der Kirchensteuer bekommen. Aber es sei ja notwendig, die Zeiten änderten sich, Opfer müssten wir alle bringen, alle würden in ihrer Trauer Ernst genommen und alle würden abgeholt.

Daher wird auch der Hoffnung breiter Raum gelassen. Vielleicht der Förderverein? Oder ein Investor, der die Kirche in seine Pläne integriert? Oder das Gemeinde- oder Pfarrhaus könnten sakral genutzt werden?  Kein Votum spricht daher direkt so einfach von Schließung, Aufgabe oder gar Abriss einer Kirche. Statt dessen wird als Perspektive immer wieder betont, dass pastorale „Standorte“ ja gar nicht aufgegeben werden sollen. Diese gehen ja vielleicht sogar „gestärkt“ aus der Krise hervor? 

In sehr vielen Gemeindeversammlungen wurde vorgetragen, dass wir jetzt alle angestrengt nach Alternativen suchen und daher (jetzt) keine Kirchen schließen. Noch nicht. Die Schließung einer Kirche sei tatsächlich die Ultima Ratio, der letzte Ausweg, wenn wirklich alles andere versagt. Die zentrale Frage sei doch eine ganz andere: Wie können wir in Zukunft als Christen leben und unser Christsein in dieser Welt gestalten?

Das wollen wir einmal so stehen lassen und Ihnen zur Beurteilung geben.

Wie können die Gremien helfen?

Überall sind gerade im November 2018 die Pfarrgemeinderäte (PGR) neu gewählt worden und haben sich gerade konstituiert.  Und die Kirchenvorstände (KV) haben sich zum selben Zeitpunkt alle zur Hälfte erneuert. Man darf von ihnen kaum erwarten, dass sie jetzt schon voll wieder im Thema sind, obwohl natürlich manche Mitglieder ihren Sitz behalten haben. Daher ist es wohl nicht möglich, schon jetzt Antworten zu erwarten. Aber wir wollen einmal die Fragen stellen, die demnächst auf die Tagesordnung kommen sollten.

In vielen Gemeindeversammlungen war zu hören, dass die neuen Gremien selbstverständlich frei sind und jederzeit neue Entscheidungen treffen könnten. Die Voten bringen häufig selbst zum Ausdruck, dass sie nicht „in Stein gemeißelt“ sind, sondern ständig an die aktuelle Situation angepasst und fortgeschrieben werden wollen.

Ja – ist eine neue Situation jetzt da? Oder war das Anpassen eher in langen biblischen Zeiträumen gemeint?

Viele Sprecher in den Versammlungen betonten, dass eine ganz breite Handlungspalette möglich ist und dass im Votum ja nur „Leitplanken“ beschrieben sind.

Wenn Sie Anregungen geben wollen, greifen Sie bitte zu einem Kommentar.

Was sagen unsere Seelsorger?

Natürlich sind unsere  Seelsorger in einer Zwickmühle. Als wirtschaftliche Laien sind sie denselben Schwierigkeiten ausgesetzt wie wir alle und halten sich auf diesem Feld gerne zurück. Haushalte und Bilanzen werden nicht gerade ihre Lieblingsthemen sein. Eine Glaskugel zum Blick in die Zukunft haben sie nicht. Bleibt die Konjunktur mehr oder weniger stabil? Brechen die Kirchensteuern ein? Das wissen sie nicht.

Andererseits haben sie als die KV-Vorsitzenden und als PGR-Mitglieder und als direkte Ansprechpartner der Pfarrei für das Bistum mehr Verantwortung als wir alle zusammen. Sie sollen die „Prozesse“ ja steuern und koordinieren. Daher werden sie sich auch Fragen stellen, ob sie bisher etwas übersehen haben.

Liebe Leser, fragen wir sie doch einfach einmal. Am besten vielleicht in persönlichen Gesprächen. In diesem kleinen Rahmen sind sicher manche offene Antworten möglich, die in der Öffentlichkeit keinen Raum haben.

Eines allerdings sollten wir uns klar machen: wir alle sind berufen, als Laien in vielerlei Hinsicht mitzuwirken: Wortgottesdienst, Beerdigung, Taufe, Trauung, Andacht, Rosenkranz, Krippenspiel und anderes mehr.  Damit werden hauptamtliche Seelsorger zwar nicht überflüssig, aber entlastet. In vielen Pfarreien ist man damit schon sehr weit, in anderen steht man gerade am Anfang. Der Bischof ermutigt dazu, diesen Weg zu gehen und das Bistum bietet Schulungen an. Die Menschen, welche diese Dienste übernehmen wollen, müssen dieses aber auch „üben“ können. Diesen Raum müssen unsere Seelsorger ihnen schaffen und wir, ja wir alle, müssen sie darin unterstützen. Jeder, der sich auf der Kirchenschwelle umdreht, weil er erfährt, dass er jetzt „nur“ einen Wortgottesdienst mitfeiern kann, verhält sich zutiefst unklug.

Was halten Sie von dem folgenden, oft gehörten Argument:

„Im Jahr X geht unser Pastor in Ruhestand. Dann brauchen wir die Kirche Y ohnehin nicht mehr, denn auf einen Nachfolger brauchen wir nicht zu hoffen.“

Dieser Satz könnte falscher nicht sein. Was hat die Anzahl von Seelsorgern mit der Existenz von Kirchen zu tun? Siehe oben.

Wir sollten auch einen Punkt nicht übersehen, der ebenfalls sehr wichtig für das pastorale Leben vor Ort ist.

  • Wie gut ist das Verhältnis der Gemeinde mit ihrem Seelsorger?
  • Hat es sich im Laufe der Zeit verändert?

Am Anfang sind ja immer beide Seiten voller schöner Erwartungen und haben ganz viele Pläne. Es ist aber zutiefst menschlich, wenn sich da nach Jahren auch Erscheinungen von Abnutzung, Überbeanspruchung oder gar Enttäuschung einstellen. Ist die Beobachtung, dass eine Gemeinde in der letzten Zeit nicht mehr so „läuft“ vielleicht auf unausgesprochene Probleme zurück zu führen? Würde es nach einem personellen Neuanfang vielleicht auf beiden Seiten wieder mehr Motivation sowie pastorale und berufliche Zufriedenheit geben? Hier sollte man behutsame, aber klare Analysen vielleicht nicht scheuen und ganz offene Ohren für alle Meinungen haben.

Wenn wir erst die Ökumene hätten …

lautet eine oft gehörte Hoffnung. Ja, die evangelische Kirche hat auch Kirchen und Gemeindezentren und hohe Kosten. Wenn diese räumlich in demselben Quartier liegen, könnte man doch ein und dieselbe Immobilie durch zwei Konfessionen nutzen. Solche Simultankirchen sind nicht neu. Der Altenberger Dom zum Beispiel ist eine. Dort ist die Lage aber sehr „einfach“, weil das Land NRW der Besitzer ist. In NRW gibt es insgesamt 3, in Rheinland-Pfalz 29, in ganz Deutschland 64. In verkleinertem Maßstab werden auch Krankenhauskapellen oft von beiden Konfessionen genutzt.

Simultan bedeutet nicht, dass es gemischte Gottesdienste gibt. Es gibt vielmehr getrennte Zeiten, die ausgehandelt werden müssen, insbesondere an den Hochfesten. Aber es funktioniert. Natürlich müssen die Kosten gleichwertig aufgeteilt werden. Eine Simultankirche gibt es also nicht zum Nulltarif.

Manche Seelsorger besitzen traditionell gute Kontakte zu ihren evangelischen Amtskollegen und so werden oft schon solche Konzepte ins Gespräch gebracht, bevor sie im Detail überlegt wurden. Die wichtigste Frage lautet: wer geht zu wem? Und dann natürlich: was kostet’s?

Es gibt derzeit noch sehr wenige konkrete Details in den Voten. Es bleibt abzuwarten, wie die Sondierungen voran schreiten.

Wo steht die Jugend?

Viele Diskussionen münden in eine gewisse Resignation. „Die Demografie ist doch sowieso gegen uns!“ heißt es dann. Und genauer: die Jugend hat keine Lust, glaubt nichts, bleibt weg. Dann aber besteht Kirche nur noch aus Alten, und die sterben ja bald. Alle Eltern kennen in ihren Familien endlose Streits um den Besuch des Gottesdienstes.

Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Wie viele Jugendliche waren engagiert im PEP dabei! Wie viele sind in zahllosen Aktivitäten engagiert! Immer noch! Nicht alle bleiben nach der Kommunion oder Firmung einfach weg.

Die Jugend hat auch klare Erwartungen. Mindestens die, dass man direkt mit ihr spricht und nicht allein über sie. Die Jugend kennt moderne Technik, vor allem moderne Kommunikation. Sie ist es gewohnt, dass man quasi auf Knopfdruck an alle nur denkbaren Informationen kommt. Geheimnisse – waren gestern. Transparenz – na klar. Wie reich ist denn die Kirche? Nicht erst lange suchen müssen, sondern klipp und klar die Antwort schnell finden. Wie ist das Ranking unserer Bistümer? Was verdient eigentlich der Bischof und der Pfarrer? Muss soviel Orgelmusik wirklich sein? Sind die Kirchenbänke nicht schrecklich unbequem? Diese Predigten am Sonntag sind doch meist echt ätzend, oder?

Gut – das sind vielleicht nicht die Fragen, die wir gerne diskutieren. Aber nicht alles ist „zielführend“, was wir uns vorstellen. Am Ende wird die Jugend auch einmal 50 und älter und kommt spätestens dann zur Kirche wieder zurück. Hoffen wir.

Wie kann das Bistum helfen?

Vom Bistum würde man in der jetzigen Situation nicht nur die Einrichtung von technischen Beratern und die Ausgabe von Hilfsmitteln zur  Projektplanung erwarten, sondern auch eine grundsätzliche Stellungnahme.

Haben sich die Vorbehalte, die es ja an vielen Stellen zum PEP durchaus gibt, denn schon Gehör verschaffen können? Gehört diese Anzahl von A-Kirchen zum Erwartungshorizont oder müsste man doch noch einmal gegensteuern? Einen so nicht beabsichtigten Automatismus anhalten oder korrigieren?

Sind die wirtschaftlichen Pflichten, die den Pfarreien auferlegt werden sollen, denn den Gremien im Vorfeld wirklich mit allen Auswirkungen auseinander­gesetzt und von diesen voll verstanden worden? Wenn ja – warum findet sich dann davon so wenig in den Voten wieder? Ist das Rücklagen­­modell für die Instandsetzung denn alternativlos?

Wie viele Kirchen brauchen wir?

Es gibt beim Bistum schon lange Überlegungen, wie viele Kirchen wir bei seiner Ausdehnung und seiner Mitgliederzahl denn überhaupt brauchen und was die Gründe für die vermutete „Überversorgung“ sind.

Dabei wurde schon vor Jahren eine Zahl von rund 100 Kirchen genannt, die das Bistum braucht. Bekanntlich hat Kardinal Hengsbach, der erste „Ruhrbischof“ während seiner gesamten Amtszeit über 120 Kirchen gebaut. Immerhin vertrat er ein klares Ziel und wollte eine menschennahe Pastoral verwirklichen. Welches Ziel die aktuellen Diskussionen verfolgen, ist weniger klar. Welches ist z. B. die im Minimum erwartete Anzahl an Gottesdienst­teilnehmern? Wieviele und welche Elemente des Gemeindelebens sind verlässliche Indikatoren für eine „funktionierende“ Gemeinschaft mit Aussicht auf „Zukunft“? 

Im Bistum Essen ist es, wenn die nächste Kirche nicht mehr da ist, auch zur übernächsten Kirche nicht sehr weit, vereinfacht gesprochen, jedenfalls in den Großstädten. In unseren ländlichen Räumen, aber auch in Niedersachsen oder Bayern sieht das schon ganz anders auch. Darum wäre es doch sicher einfacher für die Gemeindemitglieder, hier bei uns „offener“ zu sein und „Unvermeidliches“ eher zu akzeptieren.

Allerdings gibt es in Bayern z. B. viele einzelne Kirchenstiftungen, die eine Kirche auch noch dann unterhalten können, wenn es nur noch 50 Mitglieder gibt. So etwas gibt es im Bistum Essen eher nicht. Es fragt sich allerdings, ob man dieses Instrument nicht auch im Bistum Essen etablieren könnte, bekannter machen und wirklich entschlossen fördern sollte. Nein? – Warum nicht?

Gut, 100 Kirchen etwa – das ist in großen Teilen vielleicht nachvollziehbar, auch ohne die Berechnungsmethode zu kennen. Aber, es geht ja im Kern gar nicht darum, wie viele Kirchen „das Bistum“ braucht, sondern wie viele die Menschen brauchenUnd diese Frage muss man nicht ohne die Menschen diskutieren, über ihre Köpfe hinweg, meist hinter geschlossenen Türen.

Wenn eine Pfarrei oder das Bistum zu der Ansicht kommt, dass eine bestimmte Kirche möglicherweise nicht mehr benötigt wird und eingespart werden kann, dann sollte man die dortigen Menschen unbedingt mit guten Argumenten überzeugen können. Man sollte ihnen vor allen Dingen weit im Vorfeld Signale geben, dass der Kirchenbesuch und andere Messzahlen sich auf einen „roten Bereich“ hin bewegen. Und dann kann die Gemeinde aufmerksam werden und in der einen oder anderen Weise handeln.

Die Baufachleute deuten vielfach an, dass in erster Linie die „Hengsbach-Kirchen“ für die Aufgabe in Frage kommen. Einmal wegen ihrer Randlage, zum anderen wegen ihrer einfachen Bausubstanz. Es seien beim Bau eben nicht dieselben Maßstäbe angelegt worden, wie bei den „Domen“ in den Zentren. Das Mauerwerk und die Dächer sind oft einfach, wenn nicht gar richtiggehend „minderwertig“. Ach ja? – Seit wann weiß man denn das? Es wäre nur recht und billig, wenn das den betroffenen Gläubigen öfter und klarer beschrieben würde. Können auch unbeteiligte Dritte zur Begutachtung des Bauzustandes herangezogen werden und Vorschläge machen?

Auf keinen Fall ist es zu rechtfertigen, wenn der möglicherweise einzige Fürsprecher der Kirche im Kirchenvorstand bei Abstimmungen einfach überstimmt wird und damit die Würfel gefallen sind. In solchen wichtigen Fragen sollten Urabstimmungen angesetzt werden oder die Möglichkeit des Einspruchs beim Generalvikar gegen die kirchenamtliche Genehmigung  anerkannt werden. Dass der Pfarrgemeinderat vom Kirchenvorstand gehört werden muss, sein Votum aber keine aufschiebende oder verhindernde Wirkung hat, ist leider wenig hilfreich.

Warum am Ende doch die Abrissbirne so manchem Gotteshaus den Garaus machen wird? Weil, so seufzt Herbert Fendrich, Theologe und Kunsthistoriker, der Bistumsbeauftragte für Kultur und Kirche, „dieses schöne Bild der Stadtplaner“, dass die Kirchen auch nach ihrer Entweihung („Profanierung“) Mittelpunkt ihres Quartiers, ihres Stadtteils bleiben, nicht so funktioniert, wie das oft in Erfahrungsberichten aus England, den Niederlanden oder selbst Kanada zu hören sei. Das heißt: eine Kirche, die nicht mehr in Betrieb ist, kann eigentlich auch nur in den seltensten Fällen weiter stehen bleiben. Fendrich weiß warum: die Auflagen für Fluchtwege, sanitäre Anlagen und andere sind für einen privaten Erwerber oft überraschend hoch und im Kirchengebäude nicht einfach nachzurüsten.

Ja, und die Bibel:  sie ist sehr zurückhaltend, wenn es um Tempel, Gotteshäuser und heilige Orte geht. Der Gott der Bibel bindet sich ja nicht an einen Ort, er ist beweglich, ein Gott eines wandernden Volkes, ist unterwegs mit seinem Volk und den Menschen. Ein Gott, der mitzieht, wenn Menschen umziehen. (Fendrich). Wer erklärt uns dieses Argument? – Heißt das, dass wir noch in biblischen Zeiten leben?

Ist der Zug abgefahren?

Was kann die Gemeinde einer C2-Kirche tun, wenn gegen ihren Willen ihr Kirchenvorstand darauf besteht, die Kirche 2020 an einen Investor zu verkaufen, der sie abreissen und auf dem Grundstück Wohn- oder Geschäftshäuser, ein Altenheim oder Krankenhaus bauen will?

Eigentlich haben Kirchen ja keinen Verkaufswert, sagt man immer, weil es ja keinen Markt für sie gibt. Aber ganz nüchtern betrachtet ist das völlig falsch: Jede Kirche ist soviel wert (und das kann sehr viel sein) wie das Grundstück, auf dem sie steht, abzüglich der Abrisskosten. Wenn sie nicht denkmal­geschützt ist! Aber man hat auch schon von Fällen gehört, wo der Abriss trotzdem genehmigt wurde.

Rechtlich: gar nichts kann die Gemeinde tun. Der KV kann selbst seine Pfarrkirche verkaufen, wenn er denn will. Jedoch muss das Bistum solchen Beschlüssen zustimmen. Die Gemeinde könnte also durch Petitionen und andere massive Proteste in der Öffentlichkeit den Generalvikar zu einem Veto bringen. Oder seinen KV vielleicht doch noch umstimmen.

Die innerkirchliche Demokratie und Transparenz ist trotz aller gegenteiligen Bekundungen eher schwach entwickelt. Der KV muss nicht einmal darüber berichten, dass er Verkaufspläne verfolgt und welche Angebote es gibt. Weder seine Sitzungen noch seine Protokolle sind öffentlich. Auch gegen den öffentlich ausgelegten Haushalt der Pfarrei hat kein Gemeinde­mitglied eine Einspruchsmöglichkeit. Wenn es hoch kommt, „aus wichtigem Grunde“ beim Generalvikar, um dessen kirchenamtliche Genehmigung zu beeinflussen, aber dafür bräuchte man wahrscheinlich hochkarätigen Rechtsbeistand von einem erfahrenen Kirchenrechtler. Der aussichtsreichste Weg scheint daher wohl wirklich die „Flucht“ in die Presse zu sein, um rechtzeitig die Meinungen zu mobilisieren. Allerdings erzeugt gerade dies, ein „Hauen und Stechen“, was gerade angeblich nicht zum Wesen des christlichen Miteinanders gehört. Das verstehe, wer es kann.

Was kann der Einzelne tun?

Wenn Sie noch regelmäßig in eine B- oder C-Kirche gehen, dann ist noch kein Anlass zur sofortigen Panik gegeben. Solange der Bauzustand noch keine Gefährdung von Menschen mit sich bringt, wird der Kirchenvorstand wahrscheinlich den Betrieb noch irgendwie finanzieren. Aber dann könnte es irgendwann einmal doch kritisch werden. Vor allem, wenn so langsam das Jahr 2030 nahe kommt. Denn das Bistum will nach den letzten Bekundungen definitiv keine Mittel mehr für den Erhalt des Gebäudes ausgeben. Und es will klare Verhältnisse. Wer also zahlt dann die große Reparatur?

Wenn Sie der Meinung sind, Ihre Kirche ist doch ganz sicher pastoral lebendig und die Gemeinde will sie erhalten, dann prüfen Sie vielleicht doch ganz kritisch, ob das wirklich so ist. Stimmen die Teilnahme am Gottesdienst, am Leben der Gemeinde, die Anzahl der Taufen und Kommunionkinder weiterhin optimistisch? Oder lässt man sich vielleicht eher von Wunschdenken leiten? Gibt es immer genug Freiwillige für besondere Aufgaben?

Wenn Sie diese Fragen mit Ja beantworten können, dann ist es ganz wichtig: nehmen Sie Kontakt mit den anderen Mitgliedern Ihrer Gemeinde auf und sorgen Sie in erster Linie dafür, dass es auch so bleibt. Denn: wer sich seine Kirche erhalten will, muss sie sich auch verdienen.

Aber bleiben Sie nüchtern. Bei aller emotionalen Bindung: ist es denkbar, dass am Ort der Kirche ein Altenheim oder Krankenhaus gebaut würde und darin eine Kapelle mit demselben Namen wie Ihre Kirche, wo man auch genauso das Gemeindeleben gestalten könnte? Und wo andere moderne Nebenräume zur Verfügung stehen, zum Beispiel: eine Cafeteria oder ein Bistro für Empfänge nach einer Taufe oder Trauung. Es gibt häufig ganz unterschiedliche bauliche Ideen.

Klar: Jeder Einzelfall ist anders gelagert. Behalten Sie also ein offenes Ohr für alle Alternativen, die im KV besprochen werden und melden Sie sich zu Wort, wenn es angebracht ist.

Wie kommt die Kuh vom Eis?

Um welche Geldsummen geht es eigentlich ganz konkret? Die Summe, die einen Haushalt „zu Fall“ bringt, ist nach Ausschöpfung aller anderen Einsparmöglichkeiten, die auch im Votum oft dargestellt sind, die Rücklage für die Instandsetzung. Für eine einzelne große historische Kirche sind das gut 50.000 Euro. Ist das viel?

Nun, für eine Pfarrei schon. Für einen Tennis- oder Golfclub mit betuchten Mitgliedern ist es ein Betrag, über den sich niemand aufregt. Eine einzige Charity-Veranstaltung, ein Benefizturnier oder der „Hut“ geht eben einfach mal rum und das Geld ist drin. Nur, wir in der Kirche …

Wir könnten auch eine Stiftung zum Erhalt der Kirche X gründen und suchen 1.000 Mitglieder, von denen jeder 5 Euro im Monat zahlt. Das sind 60 Euro im Jahr und erbringt insgesamt 60.000 Euro. Voilà. Problem gelöst.  Wer macht mit? Also, nur nicht unterkriegen lassen! Statistisch gesehen gehören rund 3.000 Menschen zu jeder unserer 262 Kirchen im Bistum. Da werden doch wohl 1.000 Stifter darunter sein, es dürfen auch gerne Geschäftsleute oder Menschen anderer Konfession sein, die einfach mit uns solidarisch sein wollen.

Kleiner Vorbehalt: während wir uns anstrengen, müssen wir mutig Neidgefühle auf unsere Brüder und Schwestern in unseren A-Kirchen unterdrücken, die ja für ihre Kirche offensichtlich nichts tun müssen.

Es wäre also schön, wenn der Kirchenvorstand die Parole ausgeben könnte: Wir schultern das gemeinsam und auch irgend einen Teil von den A- zu den B- und C-Kirchen fließen ließe. Das käme sehr gut an! Ja und dann ist da ja noch ein Dritter im Boot, das Bistum nämlich, welches sich mehr oder weniger heimlich aus der Verantwortung stehlen wollte. Was wäre denn verkehrt daran, wenn auch das Bistum etwas „in den Hut“ werfen würde?

Den Bischof mitnehmen

Der Bischof hat ein eindrucksvolles Hirtenwort 2019 zum Neuen Jahr geschrieben, welches in der Öffentlichkeit als ganz besondere Wende angesehen wird. Der Bischof sieht eine „kirchliche Zeitenwende“ heraufkommen. Wir wollen uns einige Passagen ansehen.

Selbst diejenigen, befürchtet er, „erwägen einen Kirchenaustritt, die sich das bislang nie hätten vorstellen können.“ Viele hätten zudem den Eindruck, so schreibt er weiter, dass „die Kirche durch eigenes Versagen einen Abwärtstrend beschleunigt.“ Viele hätten auch „Angst, dass durch den Druck der gegenwärtigen Krise zu viel in die falsche Richtung laufen könnte.“

Das sind doch eindeutige Signale, dass die Zukunft unserer Kirchen mit äußerster Behutsamkeit und wachem Sinn für alle Möglichkeiten und keinesfalls mit einer Brechstange gestaltet werden muss.

Wer etwas verändern will, muss auch den Mut zu Fehlern haben, sagen beinahe übereinstimmend fast alle unsere Oberhirten immer wieder öffentlich. Ja, dazu gehört aber auch der Mut, Fehler, auf die man frühzeitig hingewiesen wird, gar nicht erst zu begehen.

Der Bischof appelliert ausdrücklich zum „Miteinander und dass wir in diesen schwierigen Zeiten achtsam und behutsam miteinander umgehen.“ Er gibt uns mit auf den Weg, dass „die Zeiten der Tabus vorbei sind und dass jede Frage gestellt werden kann.“

Der Bischof will also das pastorale Leben erhalten, für ein gutes Miteinander sorgen und kein Gegeneinander sehen. Er will, dass wir einander respektieren und geschwisterlich miteinander umgehen. In erster Linie betrifft das natürlich die „großen“ Fragen. Aber haben wir doch einmal den Mut, auch die folgenden „kleinen“ Fragen zu stellen:

– Welche Möglichkeiten gibt es denn für betroffene Pfarreien und Bistum, aufeinander zuzugehen und miteinander zu reden? Um Wege zu finden, damit pastoral lebensfähigen Gemeinden finanziell nicht die „Luft zum Atmen“ genommen wird?

  • – Ach ja: und ab wann werden die Pfarreien ihre Jahresbilanzen und damit ihre Vermögens­verhältnisse regelmäßig und in einer vergleichbaren Form veröffentlichen?
  • Fazit

Von Bertold Brecht stammt das Wort: Wer a sagt muss nicht unbedingt b sagen. Es könnte sein, dass a falsch war.

Man hat den Eindruck, dass man das durchaus auf den PEP und das Votum der Pfarreien anwenden könnte.


QUELLE: unsere-kirche-2030.de – Januar 2019

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