Ärger über alte Kirchenräume

„Ich ärgere mich manchmal, dass ich so viele alte Kirchenräume aufrechterhalten und bezahlen muss, dass ich keine neuen Kirchen bauen kann.“

So beschrieb der Bischof die „Spannung zwischen unterschiedlichen Interessen in der  Kirche“ in Gesprächen mit Jugendlichen in der umgebauten Liebfrauenkirche in Gelsenkirchen, in der jetzt die Jugendkirche GleisX zu Hause ist. So dieser Pressebericht des Bistums, der auch in den Lokalzeitungen und im Neuen Ruhr-Wort aufgenommen wurde.

Der Umbau der Liebfrauenkirche war eine Investition in die Zukunft und kostete „etwas“ Geld. Warum es nicht mehr solcher Räume gebe, war offensichtlich der Hintergrund der Frage. Der Bischof freut sich hier völlig zu Recht, dass der Umbau von Liebfrauen eine so gute Entscheidung war und tatsächlich vom Bistum finanziert wurde.

Wer sich etwas auskennt, weiß folgendes: Die Heimat von GleisX, die Liebfrauen Kirche, ist im Prinzip Filialkirche der Pfarrei St. Augustinus Gelsenkirchen-Mitte. Ihr Votum zum Pfarrei­entwicklungs­prozess (PEP) beschreibt in Kapitel 4.2 GleisX etwas näher. GleisX ist ein diözesanes Projekt, welches St. Augustinus und die Nachbarpfarrei St. Josef stark entlastet. Nicht nur durch die Durchführung der Firmung, sondern auch durch Personen, die haupt- und ehrenamtlich dort tätig sind. Außerdem durch den „räumlichen Mehrwert“ (Umgestaltung) und den „pastoralen Mehrwert“ (Angebote). Das Votum kategorisiert Liebfrauen als C1. Ja, tatsächlich, nur als C1. Sie bekommt nach Plan von der Pfarrei also keine Mittel aus der Kirchensteuer für Rücklagen zur langfristigen Instandhaltung mehr. Damit will die Pfarrei, ihr pastorales Konzept bis 2030 mit einem ausgeglichenen Haushalt bewältigen. Unterhalt von Liebfrauen, der Heimat von GleisX: wenn es dort Geld braucht, wird sich wohl das Bistum drum kümmern. Anders kann man das nicht verstehen.

Ja – schön, wenn der Bischof das Jugendprojekt so freigiebig fördert. Und natürlich auch dafür Sorge trägt, dass es „ein Dach über dem Kopf“ hat und behält.

Aber warum ärgert er sich dann über die anderen „alten“ Kirchenräume? Muss er die denn überhaupt aufrechterhalten?

Nein – er ist gar nicht der Eigentümer der Kirchen, und unterhalten muss er diese schon gar nicht. Das obliegt den Pfarreien. Gut – wenn einmal große Instandhaltungskosten auftreten, dann hat das Bistum in der Vergangenheit immer den größten Teil davon finanziert, aber aus dem Topf der Kirchensteuer, die ja gerade auch zu diesem Zweck existiert. In der nächsten Zukunft plant das Bistum, sich auch aus dieser Verantwortung „davonzustehlen“, indem es die Pfarreien für sämtliche Instandhaltungsvorsorge verantwortlich machen will. So jedenfalls die wirtschaftlichen Prämissen zum PEP, wenn die Pläne denn so bleiben.

Warum freut sich dann der Bischof nicht einfach über die vielen Orte des Glaubens, die wir haben, egal wie alt sie sind? Er scheint alt automatisch mit verbraucht und überflüssig gleichzusetzen. Das aber erkennt man erst, wenn man die pastorale Lage am Ort sieht. Ob eine Gemeinde wohl aktiv und lebendig ist und weiterhin Potential erkennen läßt? – Interessiert das den Bischof nicht? Ob man das „Feuer“ möglicherweise neu entfachen könnte, sofern es kurz vor dem Verlöschen steht? – Ist ihm die Frage zu unbequem?

Statt dessen setzt er die Gremien der Pfarreien unter Druck, die vom Rotstift diktierten Einsparungen anzugehen und den PEP umzusetzen. Auch Pfarreien mit fünf (und mehr) pastoral guten Kirchen – solche gibt es mehrere im Bistum – müssen drei davon einsparen, weil das aus den Prämissen des PEP folgt. Der Bischof sollte das abwenden.

Wenn der Bischof einige von den bedrohten Kirchen stärkt, indem er attraktive Projekte aufsetzt, die gut in unsere Zeit passen, um so besser.

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