Geht alle in die Kirche

„Wenn ihr alle in die Kirche geht, müssten wir sie nicht schließen.“

In Mülheim an der Ruhr hat der Bischof mit Schülern des Karl-Ziegler Gymnasiums diskutiert. Hier der Bericht in der Lokalpresse. Was er denn gegen die Kirchenschließungen tun möchte, wurde er von den kritischen Schülern gefragt. Darauf kontert der Bischof mit dem obigen durchaus nicht wirklich neuen Ausspruch.

Der Satz klingt rhetorisch richtig gut, ist aber nach Lage der Dinge gar nicht wahr. Denn es kommt stark darauf an, dass sich die Schüler auch die richtige Kirche aussuchen. Mit bloßem in die Kirche gehen ist es nämlich durchaus nicht getan.

Es gibt in Mülheim, um nur ein Beispiel zu geben, eine Pfarrei mit fünf pastoral guten Kirchen, von denen aber drei – Kirchenbesuch hin oder her – finanziell vom Rotstift bedroht sind und in Zukunft keine Gelder aus der Kirchensteuer mehr erwarten sollen. Der Bischof möge das bitte korrigieren.

In einer Kirche, welche der PEP nicht als A-Kirche kategorisiert hat, ist es völlig egal, ob dort viele Junge und Alte hingehen oder nicht. Eine Kirche, deren Haushalt keine Gelder aus Kirchensteuern für ihre langfristige Instandhaltung mehr bekommt, ist bedroht und könnte von ihrem Kirchenvorstand jederzeit in der Phase Handeln des PEP geschlossen werden. Das an der Kirche vorgefundene pastorale Leben findet, so das Votum der Pfarreien im PEP, gar keine, aber auch nicht die mindeste Beachtung. Ausschlaggebend ist allein der Rotstift und die vom Bistum als verbindliche Planungsprämisse vorgegebene Deckelung der Beteiligung an den Rücklagen der Pfarreien für Instandhaltung.

Natürlich meint der Bischof es gar nicht so wörtlich, wie er es denn gesagt hat, und insofern muss man ihm auch gar keine wirkliche Lüge vorwerfen. Was er meint ist:

„Wenn ihr alle einen guten Beruf wählt, viel verdient, in der Kirche bleibt, nicht austretet und zuverlässig Kirchensteuer zahlt, dann sind keine weiteren Kirchen bedroht.“

Das hätten die Schüler, die durchaus brillante Fragen gestellt haben, sehr wohl verstanden.

Der Bischof setzt auch auf eine gewisse Eigenständigkeit der Jugendlichen, wenn es darum geht, sie mehr für die Kirche zu begeistern. „Wir können nicht 1000 Angebote schaffen, Jugendliche müssen sich auch selbst entscheiden“, sagte er. Und dann fügte er seinen obigen Ausspruch hinzu. Im Übrigen versuche das Bistum, zum Beispiel durch interessante Seiten im Internet, immer wieder mit Leuten in Kontakt zu kommen, „die sonst keinen Kontakt mit uns hätten.“

Links

Karl-Ziegler-Schule: Ruhrbischof in der Schule
WAZ: Ruhrbischof diskutiert mit Schülern in Mülheim über Kirche
Lokalkompass: Schüler nehmen den Bischof in die Mangel
Bistum Essen: Jugend im Bistum Essen

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