Evaluation der PEP-Voten – Kritik

Was nehmen wir mit?

In der Evaluation findet sich wenig Originelles, denn in den Voten steht nur Bekanntes. Weder das sehr häufig genannte Thema Ökumene,  noch das anscheinend von den Pfarreien auch sehr hoch bewertete Thema Innovation fördert besonders konkrete Ansätze zutage oder beschreibt wirklich neue Ideen. Ein neues Ziel, das allen auf den Nägeln brennt und wo alle jetzt motiviert anpacken wollen, ist also nicht erkennbar. Es wird also wohl keine Welle von neuem Engagement durch unser Bistum gehen. Oder trotz allem vielleicht doch?

Dies ist eine Feststellung, die denkbar weit entfernt von einer Glückwunschkarte ist. Wir wollen uns im folgenden mit den Erwartungen an und den Aussagen der Studie beschäftigen. Wenn Sie selbst  irgendwo einhaken möchten, so haben Sie in den Kommentaren viel Raum dazu.

Jedenfalls gab der Autor der Studie, Björn Szymanowski vom Zentrum für Angewandte Pastoralforschung (ZAP) der Uni Bochum,  in der öffentlichen Präsentation den Ball, was man jetzt mit diesen Erkenntnissen machen solle, ganz klar an das Generalvikariat zurück.

Man kann davon ausgehen, dass die anderen Diözesen aus diesen Essener Erkennt­nissen wohl kaum Dinge erfahren, die sie nicht schon vorher wussten. Insofern wird die hohe Erwartung, die Generalvikar Pfeffer im Vorwort äußert, sicher stark gedämpft werden.

Im Detail

Die Studie ist natürlich deutlich ein Ausdruck der Wertschätzung für die vielen Mitarbeiter, die vor Ort in den Pfarreien am PEP mitgearbeitet haben. Sie  verdienen es mit Recht! Auftraggeber der Studie ist das Generalvikariat (GV). Es wollte von der Studie auch wissen, wie sich die Pfarreien am Zukunftsbild des Bistums orientiert haben. In einem weiteren Teil beleuchtet die Studie, wie vor Ort das Verhältnis von Gemeinde zur Pfarrei gesehen wird, ebenfalls ein Aspekt, der das GV in seiner eigenen Arbeit sehr interessieren muss.

Der Leser erwartet, dass auch deutliche Denk­anstöße und Handlungs­empfehlungen gegeben werden, findet diese in dieser Deutlichkeit aber nicht.

Nicht überraschend ist, dass die Kinder- und Jugendpastoral den breitesten Raum in den Voten einnimmt, direkt gefolgt von der Sozialpastoral (Caritas und andere), der Beschäftigung mit Gottesdiensten, dem Ehrenamt und natürlich der Ökumene.

Im Mittelfeld liegen Glaube und Spiritualität, der Wandel (Tradition und Innovation), die Familienpastoral, die Kasualien (Meilensteine im christlichen Leben), die kirchlichen Gemeinschaften und die Kommunikation.

Recht weit hinten liegen die Seniorenpastoral, die Citypastoral (wohl weil es nur relativ wenige echte Citykirchen gibt), die Kulturpflege (hauptsächlich nur Kirchenmusik) und ganz hinten das Verhältnis der Kirche zur Gesellschaft, obwohl hier die öffentliche Debatte häufig mehr „Flagge“ von der Kirche fordert, aber vermutlich mehr die „Amts-“ Kirche gemeint wird.

Wer speziell an einem dieser Themen interessiert ist, kann mit Hilfe der Studie sicher gezielt einsteigen und schnell herausfinden, was die anderen dazu sagen und ob es noch Bezüge zu anderen Bereichen gibt. Das sollte man für den wesentlichen Gewinn der Studie ansehen.

Wenn Sie Ihre eigenen Erwartungen an die Studie oder eine andere Zusammenfassung der Ergebnisse geben möchten, nutzen Sie doch bitte den Raum für Kommentare weiter unten.

Ziel verfehlt

Das Generalvikariat hat das ZAP nur beauftragt, den pastoralen Teil der Voten zu evaluieren. Man muss das General­vikariat (GV) dringend fragen, warum. Denn das ist eindeutig ein zu enger Auftrag gewesen! Wo bleibt der wirtschaftliche Teil?

Fehlt also nur ein unbedeutender Teil? – Wer den PEP betrachtet, denkt vielleicht, dass seine beiden Teile, der pastorale und der wirtschaftliche, das gleiche Gewicht haben. Der pastorale Teil wurde bekanntlich ganz breit in den Gemeinden diskutiert, und dafür ist den Beteiligten nach wie vor sehr zu danken. Der wirtschaftliche Teil aber wurde nur in einem ganz kleinen Kreis von Fachleuten entwickelt, wobei in deren Beratungen sogar meistens die Türen geschlossen blieben und der Zeitdruck häufig schon sehr fortgeschritten war.

Zwar wurde immer wieder von den Verantwortlichen betont, dass die pastoralen Überlegungen die eindeutige Grundlage für die Zukunft seien, also irgendwie „Vorrang“ hätten. Denn: wichtig sei vor allem, was IN unseren Kirchen und pastoralen Standorten stattfindet, weniger was MIT ihnen geschieht. Oder war das doch nicht so gemeint?

Aber, es liegt vollkommen offen auf der Hand: die beiden Teile haben nicht das gleiche Gewicht. Es ist auch kein Vorrang der pastoralen Seite gegeben. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind deutlich gravierender, weil eine wirtschaftliche  Fehl­entscheidung praktisch nicht wieder gut zu machen ist. Wenn eine C-Kirche zum Beispiel aufgegeben werden soll und sich ein Käufer findet, so ist sie eben weg. Dahingegen können pastorale Entscheidungen ohne großen Aufwand und Verlust wieder korrigiert werden.

In den Voten wurden methodische Erläuterungen sehr großzügig im pastoralen Teil gegeben: Fragebögen, Workshops, Versammlungen. Die wirtschaftlichen Vorgaben des Bistums zum Votum, jedoch, wurden mit Ausnahme der Wachstumsraten der verschiedenen Kostenarten in der Regel überhaupt nicht dargelegt. So soll doch die Finanzierung der Bauvorsorge von einem Umlage- auf ein Rücklagen­verfahren umgestellt werden. Durch die Verpflichtung auf 6stellige Rücklagen erscheinen die Pfarreien über Nacht plötzlich als „arm“ und kommen aus ihrem Fehlbetrag nur dadurch heraus, dass sie auf Gebäude verzichten.

Von dieser Logik sind selbst pastorale lebensfähige Gemeinden und ihre Kirchen betroffen. Die buchhalterische Technik zählt mehr als der Wille der Basisgemeinde zum Fortbestand ihrer Kirche.

Sehen Sie den Auftrag des PEP anders oder haben Sie eine andere Gewichtung seiner Teile, dann nutzen Sie doch bitte den Raum für Kommentare weiter unten.

Enttäuschung und Hoffnung

Es ist enttäuschend, dass in der Evaluation nur die pastorale Seite ausgewertet wurde. Eine Bewertung der wirtschaftlichen Fragen, auch ob es alternative Finanzierungen zum Rücklagenkonzept gibt, wäre dringend wünschenswert.

Es wäre nach wie vor sehr wünschenswert, gäbe es auch noch eine eigene Studie über den wirtschaftlichen Teil der Voten.

Gemeinden warten auf positive Signale

  • Es gibt ständig so viele negative Meldungen über die Katholische Kirche.
  • Die Gläubigen warten dringend auf die erste positive Meldung seit langem.
  • Dies könnte ein wirklich zukunftsweisende pastorales Projekt sein.
  • Es enttäuscht, dass die Evaluation nicht einmal Vorschläge macht, womit eine breite Welle der Erneuerung und Belebung durch unsere Gemeinden gehen soll.

Diese Evaluation ist zu wenig. Auf diese Weise wird man Unmut, Missmut, Enttäuschung, Lähmung und latente Austrittsbereitschaft bestimmt nicht beseitigen. Wenn wir meinen, dass wir mit dieser (Teil-) Evaluation der Voten schon auf einem guten Wege sind, so muss dem wohl widersprochen werden. Es ist der volle Blick notwendig.

Zu negativ? – Sehen Sie eine  andere Stimmung in unseren Gemeinden oder andere Erwartungen, dann nutzen Sie doch gerne den Raum in den Kommentaren für Ihre Meinung.

Diese  Kritik richtet sich wohlgemerkt nicht an die Studie als solche. Sie hat sicher ihren von vorn herein begrenzten Auftrag erfüllt. Vielmehr ist der Auftraggeber angesprochen, der jetzt noch „nachlegen“ sollte.

Da wir aber die Studie, so wie sie ist, nun einmal haben, bleibt die Hoffnung, dass vielleicht die Abteilung Pastoral des GV doch ein Thema findet, welches draußen im Bistum wieder Motivation und Optimismus erzeugt. Leicht wird das nicht werden. Von dem, was die Studie hergibt, geht keine besonders starke Empfehlung aus. Björn Szymanowski sagte, dass das wohl auch nicht Aufgabe des ZAP gewesen war.

Wie ist es denn bei IHNEN in der Pfarrei gelaufen? Finden Sie sich in der Studie wieder? Sollte noch „nachgelegt“ werden oder ist alles soweit gesagt? Ihre Kommentare dazu wären sehr wertvoll.

Weiterlesen

Unsere Service-Seite zur Studie.

Bericht auf der Homepage des Bistums Essen.

Suchen Sie selbst im Neuen Ruhr-Wort.

Ganz objektiv: Die wirtschaftliche Seite des PEP.

Und hier ist Raum für Ihren Kommentar…

2 Antworten auf „Evaluation der PEP-Voten – Kritik“

  1. Positiv? – Gern.

    Katholische Kirche in Wattenscheid

    Oder:

    Aktuell IM INTERNET (!!) gelesen.
    Fronleichnamstag am 20.6.2019 um 8 Uhr.

    Aktuelle Information:
    Die Prozession findet statt. Beginn der Hl. Messe um 10:00 Uhr in der Freilichtbühne.
    (Entschieden am 20.06.2019, 7:00 Uhr)!

    Oder:

    Segensfeier für alle werdenden Eltern

    Am 25. Juni 2019 findet um 17:30 Uhr eine Segensfeier für werdende Eltern und ihre Familien in der Kirche St. Maria Magdalena statt.
    Herzliche Einladung an alle werdenden Eltern, egal welchen Glaubens!
    Gebt Eurem Kind ein wundervolles Geschenk mit auf den Weg!
    Gottes Zusage: Du bist geliebt!

    Oder:

    Statt der Verehrung des Allerheiligsten St. Backstein: solch ein eindrucksvolles Bild!

    Oder:

    Feier der Lebenswende

    Seit 1998 gibt es am Erfurter Dom das Angebot für Jugendliche ab 8. Klasse ohne Kirchenzugehörigkeit, die den Schritt zum Erwachsenwerden in einer eigenen Feier bewusst gehen und gestalten wollen.

  2. Es wird über „ständig so viele negative Meldungen“ geklagt.

    Diese ganze Seite und Aktion ist eine Ballung negativer Meldungen.
    Ich sehe es eher nautisch, maritim: Im Sturm wird Ballast, hier ökonomischer Ballast, über Bord geworfen.

    Die pauschale, gleichsam „alle“ Pfarreien erfassende Behauptung nicht öffentlicher Debatte über wirtschaftliche Fragen und Schließungen ist mindestens bezüglich St. Gertrud Wattenscheid FALSCH.

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