Rentner und Kirchensteuern

Im Jahr 2019 haben alle deutschen Rentner den gewaltigen Betrag von fast 41 Mrd. € Einkommenssteuer an den Fiskus gezahlt, ein Betrag, der seit Jahren in stetigem Ansteigen begriffen ist. Vor zehn Jahren zahlten sie noch die Hälfte.

So meldeten es Anfang Februar 2020 Focus, Die Zeit, Berliner Morgenpost und andere deutsche Blätter und die Agenturen.

Ein Anteil von 9% der Einkommenssteuer geht als Kirchensteuer an die deutschen Bistümer, auch an das Bistum Essen. Die Bistümer behaupten regelmäßig in ihren Finanzberichten und in anderen Diskussionen über ihre finanzielle Lage, dass der ständig steigende Anteil an Rentnern in der Bevölkerung sowie die jetzt vermehrt in Rente gehenden „Baby-Boomer“ einen großen Teil ihrer wachsenden finanziellen Probleme darstellen.

Die Wahrheit

Die rund 780.000 Katholiken im Bistum Essen haben an der deutschen Bevölkerung von 81,5 Mio (Ende 2019) einen Anteil von 0,95%. Die Kirchensteuer beträgt 9% der Einkommensteuer, was 3,7 Mrd € ausmacht, die auf das Konto aller deutschen Rentner gehen. Nun sind  ja nicht alle von ihnen katholisch oder leben im Bistum Essen. Zum Bistum Essen gehören aber ungefähr 0,95% von ihnen und somit gehen auch etwa 0,95% der obigen Summe an das Bistum Essen, und das sind etwa 35 Mio €.

In 2019 zahlten die Rentner im Bistum Essen rund 35 Mio € Kirchensteuer.

Im Finanzbericht des Bistums Essen für 2018 (den für 2019 gibt es erst Mitte 2020) lesen Sie auf Seite 6, dass das Netto-Kirchensteueraufkommen in Essen in 2018 um rund 2% auf 175 Mio. Euro angestiegen ist und für 2019 in derselben Höhe erwartet wird. Auf Seite 7 finden Sie das Diagramm über die Entwicklung in den letzten zehn Jahren. 

Somit werden 35 Millionen von 175 Millionen € im Bistum Essen von Rentnern getragen. Das sind satte 20%. 

Tendenz: vermutlich weiter steigend. Ab Seite 29 stellt auch der Finanzbericht Überlegungen zu den Perspektiven an.

Tendenz

Der Finanzbericht sagt, dass die Rentner tendentiell noch immer weniger zahlen. Tatsache ist: wer vor 2005 in Rente gegangen war, hatte 50% zu versteuern. Bis 2040 wird der Satz auf 100% der Renteneinkünfte angehoben. Im Moment (2020) stehen wir bei 80%. Siehe  Focus. Baby-Boomer, die ab jetzt in Rente gehen, werden also nicht aus der Kirchensteuer herausfallen. Sicher: sie werden weniger zahlen als während ihrer Berufstätigkeit. Aber insgesamt wird die in 2019 erzielte Summe von 41 Mrd. € mit Sicherheit weiter zunehmen, damit auch die Kirchensteuer, die Rentner im Bistum Essen zur Kirchensteuer beitragen. Man darf auch nicht übersehen, dass es in Deutschland auch große Vermögen gibt, die durchaus auch vererbt werden, d. h. aus der Hand von Rentnern im Todesfall auf berufstätige Erben übergehen, deren Leistungsfähigkeit und Steueraufkommen auf diesem Wege wiederum zunehmen.

Fazit

Eine nüchterne Betrachtung ist diesem Thema durchaus angemessen. Die Finanzkatastrophe in deutschen Bistümern geht keinesfalls auf die Rentner zurück.

Wenn es ein Thema gibt, das an der Wurzel zu packen wäre, dann ist es die mangelnde Akzeptanz von allem, was Kirche heißt, bei jungen Leuten. Wenn dort das Desinteresse noch viel weiter um sich greift, weil die Botschaft nicht verstanden wird oder nicht glaubwürdig erscheint, dann können auch Rentner das Ende nicht aufhalten.

 

 

Abgesang

So weit muss es nicht kommen – oder?

Deutschland und die Welt ist für die nächsten Jahre gefangen von den „großen“ Fragen: Synodaler Weg, Zölibat, Frauen, Macht­strukturen, …

Derweil vollzieht sich im Bistum Essen still und leise die Umsetzung der Voten aus dem PEP. Aus nicht erklärten und nicht verstandenen finanziellen Gründen werden lebendigen Gemeinden ihre Kirchen und Gemeindeheime genommen, um den Haushalt zu „entlasten“. Alles angeblich nach „freier“ Entscheidung der Gremien der Pfarreien. In Wahrheit aber doch „Kirche von oben“.

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Baby-Boomer

Wie uns die Demografie in die Enge treibt.

Das Bistum Essen sieht voller Besorgnis auf das Jahr 2025. Ab diesem Jahr, so sagt das Bistum, werden die Geldmittel des Bistums dramatisch in den Keller gehen, weil die Generation der sog. „Baby-Boomer“ beginnt, in Rente zu gehen. Sie werden also nicht mehr so viel, wie gewohnt, an Steuern zahlen, und damit wird auch die Kirchensteuer nicht mehr so hoch sein, wie in den vergangenen Jahren.

Daher müssten die Pfarreien in ihren Haushalten schon jetzt Einsparungen planen und im schlimmsten Falle auch Gotteshäuser aufgeben. All das wurde in den Voten der Pfarreien formuliert, welche nun auf ihre Umsetzung warten.

Was ist dran an diesem speziellen Argument?

Die Lage in den USA

Der Begriff Baby-Boomer stammt, wie so vieles, aus den USA. Er scheint in den 1980er Jahren im Marketing erfunden worden zu sein. Später haben ihn Soziologen übernommen. In den USA bezeichnet er die rund 70 Millionen Menschen, die zwischen 1946 und 1965 geboren wurden. Der Boom setzte ein, als die US-Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg nach Hause zurück kehrten und Familien gründeten. Erstaunlich ist jedoch, dass der Trend nicht anhielt. Als die ersten jungen Menschen selbst in die Lage kamen, Eltern zu werden, verebbte die  Welle überraschend schnell. Der Grund mag sein, dass sie von ihren eigenen Eltern oft genug gehört hatten, sie sollten es „einmal besser haben“. Folglich nahmen sie Ausbildung, Karriere und Geld verdienen wichtig und konzentrierten sich darauf, anstatt eine neue Generation groß zu ziehen. Außerdem fällt möglicherweise die Erleichterung der Geburtenkontrolle mit Hilfe der Anfang der 1960er Jahre eingeführten Anti-Baby-Pille ins Gewicht. Es gibt jedoch Studien, die deren Einfluss rundheraus verneinen.

Globale Situation

Ähnliche Verhältnisse gab es in anderen europäischen Ländern, etwa Frankreich, sowie in Australien und Japan, wo man den Baby-Boom allerdings von 1947 bis 1951 rechnet (10 Millionen Japaner). In den Niederlanden rechnet man die Jahre von 1946 bis 1955 (2,5 Millionen Niederländer). In jedem Land findet man andere Abgrenzungen. Das Ende des Booms wird in allen Fällen von einem deutlichen Absinken der Geburtenzahlen pro Jahr markiert.

Demographen können Veränderungen des Geburtenverhaltens nicht wirklich fundiert voraussagen, sondern immer nur im Nachhinein als solche feststellen. Das liegt daran, dass Vorausberechnungen unterstellen, dass sich die Vergangenheit unverändert fortsetzt.

Wenn sich Demographen aber doch gegen besseres Wissen in die Debatten einbringen, lassen sie sich leicht zu sehr von politischen Intentionen vereinnahmen.

Deutschland

Das statistische Bundesamt schreibt zurückhaltend eigentlich immer nur von „äußerst kinderreichen“ Jahren. Man kann sie dadurch definieren, dass in ihnen jeweils mehr als 1 Million Deutsche (zusammen in Ost und West) geboren wurden. Hier ein Schaubild mit den Geburten und Sterbefällen in Deutschland veröffentlicht vom Statistischen Bundesamt.

Bitte beachten sie vor allem den Teil ganz links, wo die blaue Kurve der Geburten über der grünen Kurve der Sterbefälle liegt. Wie man sieht, sind im ersten Jahr nach dem Krieg noch weniger Menschen geboren als gestorben. Aber schon 1947 übersteigt die Zahl der Geburten die Million und liegt höher als die der Sterbefälle. Bis 1951 findet weiterer Anstieg statt, hält sich bei 1,1 Millionen bis etwa 1956 und geht bis 1963 und 1964 auf den Höchststand von 1,35 Millionen. Aber ab 1966 beginnt ein deutlicher Sinkflug, der bis 1971 wieder auf 1 Million absinkt. Ab 1972 übersteigt auch erstmals wieder die Anzahl der Sterbefälle die der Geburten, welche in all den Jahren vorher deutlich unterhalb lag.

Es ist schon erstaunlich, dass die Zahlen nach 1966 nicht allmählich absinken, sondern dass die Kurve so völlig steil beinahe ins Bodenlose  zu sinken scheint. Die Ursache für den Rückgang ab 1966 ist – offen gesagt – wissenschaftlich völlig unbekannt. Veränderte „gesellschaftliche Rahmenbedingungen“, welche auch immer das sein mögen, bessere Techniken der Geburtenkontrolle: die Meinungen gehen hier weit auseinander.

Somit muss Deutschland also die Jahre 1947 – 1971 als seine „Boom“ Jahre ansehen. In diesen fast 25 Jahren sind etwa 30 Millionen Menschen geboren worden, allerdings auch über 15 Millionen Menschen gestorben. Das war schon eine fühlbare Netto-Zunahme der Bevölkerung. Deshalb begann man ja auch, sich ab den 1970er Jahren verstärkt Sorgen um eine Überbevölkerung Deutschlands (und der Welt) zu machen und von der Kirche durchaus die Freigabe der Geburtenkontrolle zu fordern.

Diese Zahlen sollte man kennen, wenn man weitere Überlegungen anstellen und mögliche Folgerungen für die Zukunft ziehen will.

Falsche Bilder

Es ist ja so einfach, eingängige aber falsche Vergleiche zu beschreiben! Der damalige Bundesbankpräsident Jens Weidmann, zum Beispiel, hat 2014 in einem Vortrag den Satz des Demographen Herwig Birg zitiert, die „Gesellschaft gleiche immer mehr einem Ruderboot mit einer schrumpfenden Zahl an Ruderern und immer mehr Passagieren.“ Viele langfristige Prognosen müssten daher von künftig weniger Wachstum ausgehen, weil die demographische Basis ungünstiger würde.

Diesen und ähnliche Vergleiche hört man sehr häufig, sei es von Pfarrern und Stadtdechanten in Sitzungen von Gemeinden und beim Seniorenkaffee, sei es von Politikern und Interessenvertretern der (Versicherungs-) Wirtschaft. Ja, es ist ein eingängiges Bild, das auf den ersten Blick erstaunlich überzeugend zu sein scheint. Aber nur dann, wenn man am Stammtisch sitzt.

Das Bild könnte kaum falscher sein. Es enthält nämlich zwei grundsätzliche Irrtümer und verschweigt als drittes ein weiteres wichtiges Faktum.

Erstens verschwinden die Ruderer, die das Ruder aus der Hand legen, nicht einfach aus dem Boot. Sie rücken nur weiter nach vorn, leben aber etwa 20 Jahre aktiv weiter und entfalten eine rege Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, wodurch sie die Wirtschaft und Konjunktur nicht nur stabilisieren, sondern weiter voran bringen. Sie zahlen also nicht unbedingt selbst die (Kirchen-) Steuern, sorgen aber dafür, dass aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung überhaupt weiter und vielleicht sogar mehr Steuern gezahlt werden. Finanzieren tun sie das nicht mehr durch ihre Arbeit, sondern weil sie Vermögen bilden konnten und dies nun (endlich) ausgeben können und genießen wollen.

Zweitens bleiben die Plätze der Ruderer nicht einfach leer, sondern die hinteren Ruderer nehmen nun die vorderen Plätze ein und ganz hinten kommen neue Ruderer zum Zuge, die bisher in der Ausbildung waren. Das heißt konkret: aus dem Oberarzt wird der Chefarzt, aus dem Stationsarzt der Oberarzt, und der ehemalige Student bekommt seine erste Stelle. In DAX-Unternehmen heißt das: der Vorstandsvorsitzende wechselt in den Aufsichtsrat, aber der Vertriebs- oder der Finanzchef bekommt den Vorstandsvorsitz und der bisherige Abteilungsleiter rückt in den Vorstand auf. Das muss nicht einmal auf einem niedrigeren Gehaltsniveau geschehen, denn die bisherige zweite (oder dritte) Reihe wird sicher sehr geschickt verhandeln und könnte ihre Ansprüche durchaus durchsetzen, denn ihre Dienste sind ja tatsächlich unverzichtbar, wenn es denn irgendwie „weiter“ gehen soll.

Was also „bricht“ wirklich weg? – Die überraschende Antwort: gar nichts!

Und zum dritten: der technische Fortschritt ist ein wichtiges Faktum. Die Ruder werden vielleicht biegsamer und elastischer, das Boot wird durch ein ganz neues ersetzt, vielleicht wird sogar die Muskelkraft teilweise durch Motoren unterstützt oder vollkommen ersetzt. Der Kurs durch die Wellen wird nicht mehr intuitiv vom Steuermann bestimmt, sondern vielleicht von schlauen Computerprogrammen, und und und …

Der Statistikexperte Prof. Dr. Gerd Bosbach kämpft seit Jahren gegen ähnliche bewusste Irreführungen der Bevölkerung durch Verwendung falscher Bilder und Vergleiche, vornehmlich in den Rentendiskussionen. Bitte verwechseln Sie Prof. Bosbach nicht mit seinem Bruder, dem ehemaligen Politiker der CDU.

Was sinkt hier und warum?

Wir erweitern einmal kurz unsere Perspektive und verlassen die Baby-Boomer. Der Anteil der Rentner in der Bevölkerung hat sich von 1900 bis 2000 laut den Erhebungen von Prof. Bosbach von unter 5% auf über 17% mehr als verdreifacht. Zusätzlich hat sich der Jugendanteil mehr als halbiert. Eigentlich ist das ein Anzeichen absoluter Katastrophe. Aber was ist mit der Rente passiert? Von „fast nichts“ ist sie im Jahre 2000 auf das allseits bekannte Niveau angestiegen, ganz ohne Entbehrungen bei den Arbeitnehmern, deren Wohlstand – also auch deren Steuerzahlungen – ebenfalls enorm angewachsen ist.

Und was ist mit der Kirchensteuer passiert? Obwohl es bis 1950 kaum die Kirchensteuer im heutigen Sinne gab, ist auch sie so massiv angewachsen, dass man das statistisch kaum in Zahlen ausdrücken kann. Darüber hinaus ist es sogar gelungen, die Länge der Arbeitszeit für die Arbeitnehmer deutlich zu senken.

Mit Prof. Bosbach ziehen wir daraus den Schluss:

Im letzten Jahrhundert war also die These vom sinkenden Niveau bei Renten, Steuern und Kirchensteuern aufgrund der wachsenden Zahl Älterer immer absolut falsch.

Warum sollte das also in den nächsten zwanzig Jahren plötzlich anders werden?

In der Tat lenkt Prof. Bosbach unseren Fokus auf den von ihm gefundenen Grund für das Verhalten. Es ist der Produktivitätsfortschritt. Dieser wird in den Analysen, welche reine Bevölkerungszahlen betrachten, immer völlig übersehen. Eine jährliche Steigerung der Produktivität von 1%, welche gar nicht einmal so unrealistisch ist, so Bosbach, kumuliert sich in 50 Jahren auf 60%. Damit kann ein Arbeitnehmer – vorausgesetzt er nimmt durch Lohnerhöhungen wirklich daran Anteil – nicht nur seinen Anteil an der gesetzlichen Rente verdoppeln, sondern auch noch 50% mehr in seiner eigenen Tasche behalten. Selbst wenn der AN-Anteil für die gesetzliche Rente auf 30% klettert, blieben dem Arbeitnehmer 28% mehr in der Tasche. Wenn man auch noch den Arbeitgeberanteil betrachtet, würde auch die prognostizierte höhere Rentnerzahl noch gut am Fortschritt teilnehmen.

Zu schön, um wahr zu sein? – Auf jeden Fall lohnt es, diese Argumente einmal gut zu durchdenken. Und sich die Frage zu stellen, warum Wirtschaft, Politik und leider auch Kirche so unbedacht und eifrig in die andere Richtung argumentieren.

Es gibt durchaus zwei Knackpunkte.

Zum einen, dass die Löhne tatsächlich mit steigen. Das ist durchaus nicht selbstverständlich, denn es gibt starke Kräfte, welche die wachsende Produktivität allein nur auf die Konten der Unternehmen und deren Inhaber lenken wollen. Die Unternehmen operieren global. Dann aber erhöht sich nur die jetzt schon vorhandene freie Liquidität der großen Vermögensbesitzer vollends in Unermessliche und überschwemmt noch stärker die Märkte, die schon jetzt bei ständig negativen Zinsen nicht mehr wissen, was sie mit all dem Angebotskapital anfangen sollen. Dieses Problem verlangt nach politischen Verhandlungen und gesellschaftlichem Konsens, auch international gesehen.

Zum andern, muss vorausgesetzt werden, dass die Arbeitnehmer Mitglieder der Kirche bleiben, so dass das wachsende Lohn- und Steueraufkommen auch  wirklich zu wachsender Kirchensteuer führt.

Beide Annahmen sind – um es vorsichtig zu sagen – nicht so ganz sicher. Ganz besonders die Zahl der Kirchenaustritte nimmt Besorgnis erweckende Dimensionen an. Dieses Problem verlangt nach pastoralen und spirituellen Antworten.

Zwischenfazit

Also DAS ist das Problem – die harmlosen Baby-Boomer sind es mit Sicherheit NICHT. Die ständige „Demographie-Leier“, so nennt Bosbach das, lenkt nur von den wahren politischen und kirchlichen Problemen ab.

Weitere Ungereimtheiten

Die ersten Baby-Boomer der Jahrgänge 1947 bis 1953 sind 2012 bis 2018 in Rente gegangen. Wir rechnen vereinfacht durchweg mit Rente ab 65, obwohl das seit kurzem nicht mehr gilt. Was ist mit der Kirchensteuer passiert? So sah es im  Bistum Essen aus:

Die einzige „Delle“ gab es von 2010 auf 2011, aber das waren die Austritte, als gerade der Missbrauchsskandal bekannt wurde. Von 2012 bis  2018 hat niemand etwas davon bemerkt, dass die ersten geburtenstarken Jahrgänge nun „weg“ waren.

Von 2020 bis 2025 werden die Jahrgänge 1955 bis 1960 in Rente gehen. Allmählich wird auch das erhöhte Renteneintrittsalter von 67 greifen. Die Top-Jahrgänge 1960  bis 1965 werden also um 2030 ausscheiden.

In den Überlegungen des Bistums Essen wird das als absolut kritische Wende angesehen.

Warum denn? – Alle Positionen, welche diese Menschen erreicht haben, werden doch nicht einfach wegfallen, sondern sie werden mit neuen Menschen besetzt werden – siehe unser obiges Beispiel vom Ruderboot. Diese werden gutes Geld verdienen, sie werden Steuern zahlen. Und – wenn sie in der Kirche bleiben – werden sie auch Kirchensteuern zahlen. Und alle, die neu ins Berufsleben nachrücken, werden dieses ebenfalls tun.

Knackpunkt aber ist – und hier muss die Kirche ihre Verantwortung voll und ganz ernst nehmen – sie  muss so nah bei den Menschen bleiben, dass die Mitgliedschaft in der Kirche eben NICHT gefährdet ist. Die Menschen werden mündiger, lassen sich nicht mit alten Mustern abspeisen. Die Kirche muss sich ändern. Man mag das beklagen und den „Zeitgeist“ bekämpfen wollen, aber klug ist das nicht.

Einfluss und Macht

Bei der „Demographisierung“ gesellschaftlicher Probleme geht es um viel Geld und letzten Endes auch um Macht. Doch eine neue Studie der  Bostoner Ökonomen Daron Acemoglu und seines Kollegen Pascual Restrepo stellt die pessimistischen Thesen radikal in Zweifel. Die empirischen Daten aus einer großen Zahl von Ländern zeigten überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Alterung und Wirtschaftswachstum pro Kopf. Hier der Link auf diese Arbeit.

Natürlich schlägt sich Wirtschaftswachstum nicht sofort und direkt als Wachstum der Kirchensteuern nieder. Denn letzteres hängt davon ab, ob die Mitglieder ihrer Kirche auch treu bleiben oder sich enttäuscht von ihr abwenden. Da es jedoch direkte Studien über Kirchensteuern so gut wie nicht gibt, müssen wir vereinfachend annehmen, dass die Kirchenmitgliedschaft im Wesentlichen stabil bleibt, und dann können wir uns tatsächlich von Erkenntnissen über Wirtschaftswachstum leiten lassen.

Wann beginnen die kritischen Jahre?

Wann die Babyboomer in Rente gehen, das scheint im Belieben der Medien zu liegen, die uns ständig neue Zahlen präsentieren. Für die einen gehen die Babyboomer schon heute in Rente oder sind bereits im vollen Gange, für die nächsten zwischen 2020 und 2030, für andere erst nach 2030. Die Frage ist auch, wann der Prozess endet und welche Schäden er bis dahin hinterlassen hat.

Wird noch fortgesetzt…

 

 

Ihr macht uns die Kirche kaputt …

… doch wir lassen das nicht zu!

Dieses Buch wird Sie elektrisieren!

Obwohl unsere-kirche-2030 eigentlich keine „großen“ kirchlichen Themen in den Mittelpunkt stellen will, sondern sich auf sein eigentlich „kleines“ Thema beschränken will, muss für dieses Buch einfach eine Ausnahme gemacht werden. Nach Meinung des Rezensenten ist es nicht nur ein großartiges Buch, sondern ein wahrhaft „großes“, welches durchaus neben Hans Küng „Unfehlbar? Eine Anfrage“ stehen kann. – Was ist nur mit unserer Kirche los? Seit 50 Jahren sind wir permanent in der Krise.

In dem schmalen Bändchen weist der Autor auf überzeugende Weise nach, dass die Krise der (katholischen) Kirche nicht vom Himmel gefallen, sondern durch und durch hausgemacht ist. Wer langweilige theologische Argumente mit vielen Zitaten erwartet, wird begeistert sein, wie klar und lebendig man dieses Problemfeld behandeln kann. „Ihr macht uns die Kirche kaputt …“ weiterlesen