Gaudete omnes gentes

Ach, verehrte Mitchristen,

der Tag begann sehr gut. Mein Sohn brachte ein Fläschchen “Weihwasser ‘to go’” aus St Gertrud mit. Und berichtete von ebenso Schönem, wie ich es dort gestern Abend erlebte.

Worte des Bischofs

Es ist heutzutage ja so wie unter Adolf: Wenn das Führerhauptquartier etwas als Publikandum vorgibt, so hat man sich daran zu halten. Also war ein Essendischer Verbalerguss vorzulesen, so dass alle Messteilnehmer es auch hören konnten. Unerhört wichtig war selbst­redend, gerade jetzt kurz vor Weihnachten im Bereich der Wattenscheider Pfarrei zu publizieren, dass angeblich in den “70er und 80er Jahren” ( gemeint war: des vorigen Jahrhunderts ) zwar nicht im heutigen St. Gertrud–Bereich, aber in einem damit durch Bischof Genn und das Mittun des Heiligen Geistes 2008 damit verbundenen Teilbereich (NICHT St. Joseph! – dort ist “die Sache” abgenudelt, nun also: DA war NIX, vor allem NIX SCHLIMMES, schlimm war nur Bischofs Auftreten und Gehabe, dem wir aber nachfolgend doch auch Gutes abgewinnen, man soll ja stets sachlich bleiben und differenziert denken! ) Schlimmes passiert sei.

Die zeitliche Nähe zum Hochfest Weihnachten und Präsenz von Kindern und Familien drängt natürlich, dieses Weistum der Aktualität genau jetzt zum Publikandum zu machen. Aber, um es fair zu sehen – es ging ja nicht so sehr um Geschichtserforschung, sondern um Aktuelles: man möge sich melden! Dringend! Wohltuend, solche Markt- und Wirtschaftsförderung! Denn nicht nur coronisiert gilt ja menschenfreundlich: Wo Wirtschaftszweige, zB mangels Angebot oder Nachfrage, schwächeln, da sollte man nachhelfen. Die Kontakt­stelle und die Gutachter der Missbrauchsbesorgnisindustrie brauchen dringend Nachschub.

Aber was war daran besonders schön? Nun, sowohl am Samstagvorabend wie auch am Sonntag wurde kein Messgewand durch den Aufprall des verlesenen Verbalschwalls verunziert oder angegriffen. Der eine trug vor der Messe vor, pünktlich zur gebotenen Zeit, damit alle Präsenten es auch hören konnten, im anderen Fall eine Dame, womit klar war: kein y-Chromosom, kein Messgewand. Und Ankündigung der Stillen Anbetung am Donnerstag ab 18 Uhr!

Rom

Und, worüber freuen wir uns noch?

Ja, dass feste katholische Glaubensgewissheiten heutzutage so sehr an Festigkeit, Freude und Begeisterungsstürmen gewinnen. So insbesondere:
1.) Rom hat alles zu sagen, zu regeln, zu tun
2.) Rom weiß alles besser. Es befiehlt und ordnet weise an.
3.) Kirchenrecht ist heilig und bedingungslos zu beachten. Daher der tiefgründige permanente Verweis auf Meldung nach Rom, und dass und wann sie verwerflicherweise unterblieben sei, und dass man sich dafür schämen müsse.
4.) Deshalb ist alles flugsblitz nach Rom zu melden – alles andere ist Vertuschung. (Ganze Papierberge vom 12. und 16. November 2020 leben essendisch von dieser festen Gewissheit, “katholisch.de” erst recht, und erst einmal im Umfeld von Wolke, München und Hamburg!)

Kirchenrecht

Jeder sinne einmal darüber nach, wie sehr gewisse heutige Wortführer, auch sog. ”Theologen”, gar universitäre, in den letzten 30 – 40 Jahren sich mit begrenzt-reduzierter Begeisterung geäußert haben, wenn jemand ihnen gegenüber einmal zur Erwägung stellte, was das Kirchenrecht denn so vorschreibe. Die herzinnige Liebe zum Juristen generell – ja, das kennt Verfasser. Ähnlich aber kirchoidal zu Kanonisten und Kanonistik.

Bildung

Hübsch und auch Heiterkeit erregend auch die Nahtstelle von Kirche und Bildung. Da gibt es einen strebsamen Ex-Oberprimaner, der am Gymnasium aufmerksam zugehört hat, als von y-Chromosomen die Rede war. Er hat es sich gemerkt und zutreffend in aktuelle Debatte eingebracht. Für die Latein-Kenntnisse gibt’s aber leider keine “Eins”. Außerhalb von Münster ist es zwar weiterhin möglich, ansprechen: “Ego TE absolvo”. Sonst in der Weltkirche aber nicht wie am 16.11.2020: “Ego ME absolvo”.

Weihwasser

Wenn wir nun auf die Gnade des Weihwasserfläschchens zurückkommen, dann sehe ich etwa Folgendes:
a) Von Greta ist das wohl nicht genehmigt. Plastikfläschchen!! Insoweit richtig postkonziliar-progressiv, aber nicht öko!
b) Die von der Heiterkeit des Freudentages befeuerte Suche per Google brachte zu Kirchenrecht einiges, zu Weihwasser genau genommen fast nichts:
aa) can 924 §§ 2 und 3, can 926 cic 1983 geben klare Substanzregeln.
bb) aber nicht zu Weihwasser. Auf den Seite der allweisen, allwissenden DBK findet man, finde jedenfalls ich, dazu auch nichts. In Wikipedia finde ich, ohne Beleg, dazu: “Vor der Liturgiereform wurde dem Wasser bei der Weihe Salz und Chrisam hinzugefügt, heute kann ihm Salz hinzugefügt werden.”

In einer heutzeitgeistig Orientierten eventuell etwas ferner liegenden Veröffentlichung finde ich:

Weihwassersegnung – Exorziertes WasserExorziertes Salz – nach dem Rituale Romanum

Hier zu finden: https://gloria-patri.de/Segnungen/Segnung-von-Wasser

Nun, aqua et sal. Sal auch wegen Haltbarkeit, las ich irgendwo, und gegen Schadstoffbefall. Nun, denn passt es doch – ob das reines Quellwasser sein muss?

Corona

Progressiv könnte man doch auch an flüssiges Desinfektionsmittel denken. Die Elektrospender an Kircheneingängen ermuntern geradezu zum Kreuzzeichen – ganz wie gewohnt. So wirkt die Hl. Corona auch modernes Fortschrittliches! Der Zelebrans konsumiert als erster und allein. Man kann beim Kommunionempfang knien. Kein Gedränge im Publikum. Unbekannten postkonziliar in Grippezeiten friedensgrüßlich oder gar beim Pater noster permanent zwangshändchenpatschen – nix da. Wohltätige Segnungen der Hl.Corona!

Kirchenrecht: Partikularnormen

Wie den treuen Blick in das so sehr verehrte Kirchenrecht, so heute:

https://www.kirchenrecht-online.de/kanon/partikularnormen.html

Partikularnorm Nr. 5: https://recht.drs.de/fileadmin/user_files/117/Dokumente/Rechtsdokumentation/2/1/3/3/95_23_05.pdf

Corona

In diesen Tagen lernen wir übrigens manches: Die edle Diskretion zum Allgemeinen Persönlichkeitsrecht – Exzellenz Schepers “hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Schepers zeigt leichte Symptome und befindet sich in häuslicher Quarantäne”. Was das Bistum elektrisch mitteilt.

Rechtsstaat

Und – manche reden ja gern vom “Rechtsstaat”. Da hören wir doch heute 13.12. 2020 in den heute-Nachrichten ab 19 Uhr Erlauchtes: Nach Einleitung des “Sprechers” / „Journalisten”, wohl entsprechend vorher gestellter Frage, “anders als im Frühjahr hält die Politik ihre Schließungsmaßnahmen für gerichtsfest” – O-Ton Merkel: “sind die Maßnahmen so erkennbar notwendig, dass ich da nicht mit großen Schwierigkeiten rechne”.

Ja ja, so “geht” “Rechtsstaat”. Gerichtliche Kontrolle bedeutet: “Schwierig­­keiten”.

Gaudete

Gaudete! Et salvete! Et dimittite mihi debita mea! (Na ja, in Richtung Münster wage ich das ja eigentlich nicht zu rufen!)

Egon Peus.

 


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