Finale: Aus für Herz Jesu Kirche

Die kath. Kirche endlich wieder einmal auf Seite 1 der Zeitung. Die WAZ schreibt: „Aus für die Herz-Jesu-Kirche. Sitzplätze bei der finalen Messe reichen nicht“ und das noch über den beiden Fußballergebnissen. Wann nur werden „wir“ das wieder einmal mit einer positiven Nachricht schaffen? Die NRZ weiß sogar zu berichten: Zur letzten Messe versagen Stimmen.

Dann gleich auf der ersten Lokalseite ein fünfspaltiger Artikel. Das schafft nicht jeder.

Wo ist der Pfarrer?

Der Autor, Thomas Emons, war jedoch wohl etwas „in Eile“; er hat offenbar das falsche Bild kommen­tiert. Weit und breit ist nämlich kein Pfarrer Böckmann zu sehen. Nur auffällig der Auxiliar­bischof mit seinem Hut und Stab und seinem „Adlatus“ dahinter. Vor ihm der Diakon, und er trägt das Evangeliar, nicht das Allerheiligste. Außerdem nicht beim Auszug, sondern beim Einzug.

Wenn man so viel Emotionalität spürt, kann das passieren. Über den kleinen Fehler wird man mit Schmunzeln hinweg sehen.

Trau keiner Information der Kirche

Der Artikel versucht dann allerdings als nächstes, einige Informationen zu vermitteln. Weil diese direkt von der Pfarrei stammen, müssten diese sehr viel vorsichtiger behandelt und ggf. nachrecherchiert werden.

Es heißt: 400 der 14.000 Gemeindemitglieder seien gekommen. Richtig wäre: Pfarrei- und nicht Gemeindemitglieder. Ein lächerlich schlechter Besuch, nur eine Quote von 2,9%. Wenn man berücksichtigt, dass die parallele Vorabendmesse in der Pfarrkirche ausfiel und in den anderen Kirchen eifrig dafür geworben wurde.

Weiter geht es damit, dass später tatsächlich noch einmal die Argumente für die Kirchen­schließung „im Raum“ stehen sollen. Der Verlust von 6.000 Gemeindemitgliedern in den vergangenen 18 Jahren wird genannt. Wie bitte – in Herz Jesu? Allein? Im Votum 2018 auf Seite 13 stehen für Herz Jesu ca. 7.500 Katholiken in 2005. Das hieße, jetzt wären nur noch 1.500 übrig. Wer glaubt denn das? Es werden noch ca. 4.000 sein, denn im Jahr des Votums waren es noch 5.627 und so rasant ist die Kirchenflucht dann doch nicht.

Etwas typisch, meine ich, dass die Presse so etwas immer der Kirche „durchgehen“ lässt.

Es endet damit, dass ein „bautechnischer Investitionsbedarf“ von 2 Millionen Euro für die Restau­rierung der Kirche ins Feld geführt wird. Ein schöner neuer Begriff ist das. Kam bisher noch nie vor. Muss aber angezweifelt werden. Auf der Immobilienseite des Bistums, wo die Kirche zum Verkauf angeboten wird, wird kein einziger Mangel erwähnt. Außerdem hält die Pfarrei seit Jahren jegliche Gutachten dazu geheim. 

Rote Karten für die Amtsträger

Der Autor erwirbt sich allerdings sehr große Verdienste, weil er der Gemeinde sehr genau zuhört und viele Dinge aufzeichnet, deren Feststellung der Pfarrei offenbar immer eine zu große Mühe war.

Allgemein das Bedauern der Besucher, dass die Kirche nur selten so „rappelvoll“ war? Wer war denn 22 Jahre lang der damalige Pfarrer und spätere Pastor? Nach Pfarrer Weckerle? Was hat er sich denn für die Jugend und Familien einfallen lassen? Die Karnevals- und Weihnachtsmessen waren auch immer rappelvoll. 

Schön auch, dass viele Gemeindemitglieder größere gesellschaftliche Offenheit und bessere Kommunikation anmahnen. Gerade die Geheimnistuerei in St. Mariä Himmelfahrt ist ein abschreckendes Beispiel. Muss man deshalb Kirchen „außer Dienst“ stellen? Ob sich das nun bessern wird?

Schön, dass von den Seelsorgern mehr als nur „Dienst nach Vorschrift“ gefordert wird.

Wann bieten sie endlich in jeder Kirche an jedem Wochentag eine hl. Messe an, solange sie der Anzahl nach noch dazu in der Lage wären? Unser Pastoralteam besteht aus sage und schreibe zehn Menschen im aktiven Dienst! Dazu noch zwei sehr geschätzte Pensionäre.

Predigten – mein Gott – ein Grund eine Kirche zu schließen?

Alle anderen Kritikpunkte sind weitere „rote Karten“ an die Amtsträger: mehr Engagement für Kinder und Jugendliche, Verjüngung der kath. Kirchenführung, Abschaffung der priesterlichen Ehelosigkeit, Lebensnähe und Zugewandheit, Vorbeugung sexueller und moralischer Entgleisungen. 

Zum Schluss die abgedroschene Phrase von den toten Steinen. Jetzt will man sehen, was „auf uns zukommt“. Warum nicht vorher schon? Geistliche Heimat könne man nicht verordnen. Wer sagt denn so einen Unsinn? Eine Familie, die aus ihrer Wohnung auszieht, schließt beizeiten einen neuen Mietvertrag und kampiert auch nicht übergangsweise auf der Straße.

Danke Ev. Kirche

Die ev. Kirche hat in der Tat Applaus dafür verdient, dass sie die Osterkerze mitnahm und gemeinsame Gottesdienste anbieten will. An der Wilhelminenstraße herrscht in der Tat nicht diese panische Krisenstimmung wie am Saarner Kloster und seinen noch bestehenden Ablegern.

Quo vadis?

Der Legende nach floh der Apostel Petrus aus Rom und begegnete Christus, den er fragte: „Wohin gehst du?“. „Nach Rom, um mich dort erneut kreuzigen zu lassen,“ sagte der Herr, worauf Petrus sofort reumütig umkehrte.

Der Pfarrer bedankt sich auf seiner Homepage mit einer Mischung aus Traurigkeit und Dank, dass alles so ergreifend abgelaufen ist. Zwei Fragen sollte man ihm stellen:

Braucht man so eine Pfarrei?
Schadet sie nicht dem Ansehen der kath. Kirche?

Eine Antwort auf „Finale: Aus für Herz Jesu Kirche“

  1. ICH BIN SAUER!!!!

    All das regt mich einfach nur auf….

    So ist es heute: Die Fakten interessieren niemanden – Es wird einfach so gedreht, wie man es gerade braucht:
    Kein Wort davon, dass man gegen den Willen des Papstes handelt; man lese sein Lehrschreiben vom Juli 2020.
    Kein Wort davon, dass niemand 5 Jahre lang mit uns gesprochen hat!

    Jetzt bekommt Pfarrer Janberg doch noch seinen Willen, und Gottesdienste finden in der evangelischen Kirche statt.

    Kein Wort zu den Menschen die leiden…
    und daran sind die Gremien und das Bistum schuld!!!

    Was ist das doch ein unmoralischer, geheimnistuender Lügenhaufen!
    Was mich freut ist, dass anscheinend viele Ihre Meinung gesagt haben…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.