Schnellkurs Pfarrfinanzen

Wer sich noch nie Gedanken über das Funktionieren von Kirche im Allgemeinen oder seiner örtlichen Pfarrei im Speziellen gemacht hat, wird erstaunt sein, wie komplex das Tagesgeschäft und das Überleben von einem Jahr ins das nächste sein kann. Alle vermuten Etats in Millionenhöhe und üppige materielle und per­sonelle Aus­stattung. Das stimmt alles nicht!

Worum geht es?

Die durchschnittliche Pfarrei im Bistum Essen mit sechs Kirchen und 19.000 Mitgliedern hat ei­nen Etat in niedriger Millio­nen­hö­he, der von beinahe jedem Hand­werks­betrieb und manchem Selb­ständigen übertroffen wird. Dabei verwaltet sie neben den Kirchen noch Gemeinde- und Jugend­zen­tren, Pfarrhäuser mit Büros und Dienstwohnungen. Zu einer typischen Pfarrei gehören neben den Kirchen sechs bis acht weitere „pastorale Gebäude“. Die Pfarrei verwaltet weiter ein kom­plexes Geflecht aus weiteren Vermögensteilen: Erbbaurechte, Häuser, Mietwohnungen, zweck­gebun­denen Stiftungen, Geld­anlagen, Beteiligungen an Alten­heimen, Friedhöfen und anderen. Kindergärten sind Gott sei Dank vor Jahren an einen einheitlichen Zweckverband beim Bistum ausgegliedert worden, obwohl das reine Eigentum der Kitagebäude in der Regel immer noch bei den Pfarreien liegt.

Wer macht die Arbeit?

Das Ganze wird nicht etwa von einem Stab hochbezahlter, qua­lifizierter Fach­leute verwaltet, sondern von einem ehren­amt­lichen in NRW Kirchenvorstand genannten gewählten Gremium unter Vorsitz des Pfarrers. Sage und schreibe eine einzige haupt­amtliche Kraft in Person des/der Verwaltungsleiter/s/in steht diesen circa 20 Personen aktiv zur Seite. Der sog. KV macht einfach Alles: An­gebote einholen, Auf­träge erteilen, Verträge schließen, Personal­angelegen­hei­ten regeln, Vermögen verwalten, Förder­anträge stellen, Rechenschaft beim Bistum ablegen und noch Vieles mehr mit Ausnahme der Seelsorge und Litur­gie. Damit beschäftigen sich die örtlichen, das heißt in jedem Pfarrbezirk (=Gemeinde) gewählten Ge­mein­de­räte und der von ihnen für die gesamte Pfarrei gebildete Pfarr­gemeinderat (PGR).

Finanzierung

Eine Pfarrei finanziert sich in der Regel zu etwa 70% aus der Kirchensteuer, die vom Bistum nach einem bestimmten Schlüssel durchgereicht wird. Dieser Betrag heißt daher auch Schlüssel­zuweisung. Weiter besteht der Haushalt zu 20% aus Erträgen des eigenen Vermögens und zu 10% aus Spenden und Kollekten. Einen Gewinn macht eine Pfarrei in der Regel nicht. Dafür sorgt schon die immer recht knapp bemessene Schlüsselzuweisung. Viele sind froh, wenn sie eine schwarze Null schreiben können, was in der Vergangenheit erstaunlich oft ge­lungen ist. Gibt es mal Probleme, hilft es oft, das Bistum um eine Sonder­zu­wei­sung zu bitten, oder die eigenen Mitglieder um Zuwendungen in Form von Spenden.

Größere Bau­maßnahmen kann eine Pfarrei niemals allein aus dem laufenden Haushalt stem­­men. Diese muss man dem Bistum „verkaufen“ und kooperativ regeln: ein Teil aus dem eigenen Vermögen plus Spenden, ein Teil durch Zuschuss des Bistums und ein Teil als Bankdarlehen. Pfarreien haben allerdings in der Regel kein exzellentes Rating bei Banken; warum, das sehen wir jetzt.

Schätze und Lasten

Die 42 Pfarreien im Bistum Essen besitzen alle miteinander 262 Kirchen. Die Jugend- und Gemeindezentren und anderen „pastoralen Gebäude“ werden wir ab sofort nicht mehr betrachten. Das würde sonst zu komplex. Das sind rechnerisch rund 3.000 Mitglieder pro Kirche.

Die Kirchen haben zwar einen hohen ideellen und kulturellen Wert und sind quasi unverzichtbar, sind aber leider völlig unverkäuf­lich, auch die Grund­stücke in oft exzellenter Lage, auf denen sie stehen. Es gibt ja keinen Markt für sie. Auch nicht für die vielen Kunstgegenstände in ihnen. Sie sind also nüchtern betrachtet finanziell „nichts wert“, insbeson­dere als Sicherheiten für Bankkredite völlig untauglich.

Das Bistum Essen hat drei Typen von Kirchen. Zunächst große und kleine historische Kirchen, die in der Regel um das Jahr 1900 erbaut wurden. Nur wenige Kirchen sind „richtig alt“. Daneben gibt es die nach dem Zweiten Weltkrieg erbauten Nachkriegs­kirchen.

Es kostet einen sehr hohen Aufwand, alle Kirchen zu unter­halten. Eine historische Kirche kostet über einen Zeit­raum von 100 Jahren gesehen insgesamt geschätzt rund 5 Millionen Euro in heutigem Geld. Darin sind alle Kosten zusammen­gefasst, also der laufende Betrieb mit haupt­sächlich Energiekosten für Heizung und Beleuchtung als auch Reparaturen an Dach, Innenraum, Außenwänden und so weiter. Orgeln gehören dabei nicht zum Gebäude.

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