Eine Pfarrei pro Stadt

Leserbrief an das Neue Ruhrwort von Hubert Kauker.

Die Spekulation geht weiter. Das für die Presse reizvolle Thema, wie viele Pfarreien wir in Zukunft haben werden, wird nun auch vom Neuen Ruhrwort unter dem Titel „Nur eine Pfarrei pro Stadt?“ groß präsentiert.

Die Bistums-PR hat dieses Thema ja vor kurzem in sämtlichen katholischen und nicht-katholischen Medien erfolgreich ausgestreut. Nun gut: vor dem Hintergrund, dass das Bistum Essen seit schon zehn Jahren nur eine Priesterweihe pro Jahr aufweisen kann und jedes Jahr eine nicht genannte Anzahl von Priestern aus dem aktiven Dienst ausscheidet, wird deutlich, dass das Thema „Chefsache“ eigentlich sein muss. Der Bischof hätte längst schon einmal ein „Jahr des Priesters“ ausrufen müssen, anstatt nur einmal im Jahr für die „geistlichen Berufungen“ beten zu lassen. Warum gehen uns die Priester schneller aus als die Gläubigen? Warum springen junge Leute selbst vor der Weihe noch ab oder finden den Beruf nicht mehr wählbar?

Wenn man bei der absurden Vorstellung bleibt, nur ein Pfarrer könne eine Pfarrei leiten, hätte Markus Potthoff ja Recht, dass wir ab 2040 nur noch höchstens 30 Pfarreien haben sollten, besser nur 10. Aber dass mittlerweile erfolgreich Laienteams Pfarreien leiten (siehe Frintrop und anderswo), müsste auch Herrn Potthoff bekannt sein. Dass es zunehmend „Multi-Pfarrer“ wie Christian Böckmann gibt, ist nicht erstrebenswert. „Moderierende Pfarrer“ für Leitungsteams – ok.

Mit dem „Rückbau“ beschäftigt sich Herr Potthoff ausgiebig. Aber er übersieht völlig, dass eine Kirche ohne Weiteres bestehen kann, wenn ihre Gemeinde aktiv bleibt und Wort-Gottes-Feiern in ausreichender Anzahl stattfinden sowie ab und an eine kanonische Messe von einem „gastierenden“ Priester. Wenn benachbarte Pfarreien zusammenarbeiten, bekommt man pro Stadt auch eine Abendmesse am Sonntag hin. Aber zusammenlegen müsste man sie deshalb nun wirklich nicht. Dann werden die Aufgaben für die Gremien ja noch größer und keiner kandidiert mehr. Welcher Unsinn: neben XL-Pfarreien nun XXL bzw. Super-XXL.

Gemeinden: schickt eure liturgisch interessierten Mitglieder zu den Kursen zum Wort-Gottes-Leiter. Das wird die Zukunft sein. Aber es ist eine gute Chance. Die Kirche kommt wieder „nah an die Menschen ran“, wird wieder zu „ihrer Sache“.

Hubert Kauker, 02.06.2023


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